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Rezension Thomas Nehlert „Remember Le Mans DVD“ Cinecraft GmbH, RacingWebShop, 2017

Er ist ein Mythos, und wirklich jeder Motorsportfan kennt ihn, den Spielfilm "Le Mans" von und mit Steve McQueen. Um die Entstehung dieses Films ranken sich so unzählige Anekdoten und Geschichten, dass mit diesem Material bereits mehrere Bücher und auch filmische Dokumentationen gefüllt worden sind. Allerdings sind all diese Publikationen englischsprachig, so dass der in Österreich beheimateten Cinecraft GmbH, dem Drehbuchautor und Regisseur Christian Giesser und McKlein Publishing in Köln das Verdienst zukommt, mit der Doppel-DVD "Remember Le Mans" die Ereignisse um die Verwirklichung des Lieblingsprojekts von Steve McQueen erstmals in deutscher Sprache darzustellen. 

Was allerdings den Begriff der "deutschen Sprache" angeht, bedarf es doch zunächst einmal einer etwas weiten Auslegung: denn Dr. Erich Glavitza als einer der Hauptprotagonisten der Dokumentation spricht einen so ausgeprägten österreichischen Dialekt, dass man sich schon etwas "einhören" muss, um all seine sehr langen Ausführungen zu verstehen. 

Der 90minütige Hauptfilm ist in 20 Titel untergliedert. Die Eingangssequenz ist auf interessante Weise dem Anfang des Urfilms nachempfunden: Erich Glavitza fährt mit einem aus den späten 1960er Jahren stammenden Porsche 911 durch das heutige Le Mans – so wie damals Steve McQueen mit seinem 911 durch das seinerzeit noch deutlich verträumter wirkende Städtchen an der Sarthe. War es einst ein neues und sehr gepflegt wirkendes 911-Exemplar – das inzwischen zu einem atemberaubenden Preis versteigert worden ist – , so macht Glavitzas Porsche doch einen schon recht mitgenommenen Eindruck. 

Erich Glavitza, in Wien zum Doktor der Philosophie und Wissenschaftstheorie promoviert, betätigte sich als Rennfahrer, Stuntman, TV-Kommentator, Leiter einer Rennfahrerschule und als Buchautor. Ausführlich schildert er, wie er als Stuntman zu dem Film "Le Mans" kam und welche Erfahrungen er im Sommer 1970 bei den Dreharbeiten machte. Gleichfalls kommen der frühere Stuntman und Rennfahrer Peter Huber, der Produktionsassistent Dr. Walter Riml und der auch zum Produktionsteam gehörende Peter Samuelson zu Wort. 

Insbesondere die Darstellungen von Samuelson sind überaus aufschlussreich, da sie einerseits verdeutlichen, dass "Le Mans" der Film mit den zweifellos besten und authentischsten Rennszenen ist, der jemals gedreht wurde, andererseits aber auch zeigen, welches Chaos am Filmset herrschte und mit welchen massiven Problemen die Produktion zu kämpfen hatte. McQueen, der mit seiner Solar Productions Gesellschaft den Inhalt des Films als reines Autosport-Drama bestimmen wollte, ließ dem Regisseur John Sturges keinen Raum zur Durchsetzung einer annehmbaren filmischen Handlung, so dass Sturges schließlich abreiste und Lee Katzin als von McQueen gesteuerter Regisseur versuchte, die Rolle eines Regisseurs auszufüllen. McQueen selbst zeigte – nach den Schilderungen der Betroffenen – bei den Dreharbeiten zwei Gesichter: den Rennfahrern gegenüber voller Zuneigung und Verbundenheit und Respekt, den Filmschaffenden gegenüber teilweise unstrukturiert, häufig unhöflich und ohne jedes Verständnis für die erzählerische Dimension eines Spielfilms. So kommt Samuelson auch zu dem Ergebnis, dass McQueen ein Rennsportbesessener war, ein charismatischer Film-Star, ein unglaublicher Womanizer – aber kein begnadeter Schauspieler oder gar Regisseur. 

So liegt auch die Stärke dieser Dokumentation darin, dass sie den Kultfilm "Le Mans" nicht unkritisch lobpreist, sondern Stärken und Schwächen in die Tiefe gehend herausarbeitet. 
Dennoch kommt die Begeisterung für "Le Mans" nicht zu kurz, und zwar in erster Linie durch die eingehenden Interviews mit drei Rennfahrern, die damals – zusammen mit vielen anderen Piloten – mit ihren Fähigkeiten für packende und authentische Rennszenen sorgten: Jürgen Barth, Herbert Linge und Willi Kauhsen. Diese zeichnen, ihren Erfahrungen entsprechend, ein beeindruckend positives Bild von McQueen und schildern im Detail den Aufwand, der betrieben wurde, um absolut realitätsnahe Renn- und Unfallsequenzen zu realisieren. Jürgen Barth kommt zu dem Schluss „wir haben damals Hollywood in Le Mans erlebt“. 

Wenn die Dokumentation auch im wesentlichen aus den Interviews mit den Beteiligten an dem Filmprojekt besteht, so haben doch auch einige filmische Sequenzen Eingang gefunden. Die Passagen aus dem Spielfilm sind sehr sparsam gesetzt, was sicherlich auch mit den Urheberrechten und den damit verbundenen Kosten zu tun hat. Hinzu kommen mehrere Bilder vom Filmset, die den zeitgenössischen Rahmen ebenso wiedergeben wie einige Originalaufnahmen aus einem früheren 24-Stunden-Rennen; allerdings stammen diese aus dem Jahr 1967, denn Ferrari 330P4 und Shelby-Ford spielten 1970 keine Rolle mehr. 

Das mit 233 Minuten sehr lange Bonusmaterial besteht aus detailreichen Äußerungen der auch im Hauptfilm zu Wort gekommenen Personen. Hervorzuheben sind dabei wieder die Ausführungen von Peter Samuelson und die der drei Rennfahrer Barth, Linge und Kauhsen, die nicht nur auf den Film "Le Mans" eingehen, sondern auch auf ihren beruflichen und rennfahrerischen Lebensweg und die damit verbundenen Erfahrungen sowie auch auf ihre Lieblingsfahrzeuge.

"Remember Le Mans" stellt eine lohnende Bereicherung des Materials über den Kultfilm von 1970 dar. Die Dokumentation verdeutlicht, welch großartige Leistung es war, derartig wirklichkeitsnahe Rennaufnahmen zu einer Zeit zu erstellen, in der es noch keine die Realität zuweilen verfälschende Computertechnik gab. 


Remember Le Mans 

Format: 2 PAL DVDs 
Bildformat: 16:9
Regionalcode: 0 – Alle Regionen 
Laufzeit: 90 Minuten (Hauptfilm), 233 Minuten Bonusmaterial
Drehbuch und Regie: Christian Giesser 
Sprache: Deutsch 
Preis: € 29,90 Erhältlich ausschließlich über www.racingwebshop.com

Rezension: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (DVD),

Macht die Leichtigkeit des Seins einsam?

Romanvorlage für diesen Film ist Milan Kunderas Buch "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins." Seit ich diesen Roman gelesen habe, ist zuviel Zeit ins Land gegangen, um mich detailliert an Einzelheiten erinnern und konkrete Vergleiche zum Film herstellen zu können. Von daher beziehe ich mich bei meiner Rezension nur auf das, was ich gesehen habe. Die Spieldauer des Films von Philip Kaufmann beträgt 166 Minuten. Die Handlungszeit ist der so genannte "Prager Frühling", dessen jähes Ende und die düstren Monate danach. 

Zwischen Januar und August 1968 gab es in der damaligen CSSR unter der Führung von A. Dubcek einen Liberalisierungs- und Demokratisierungsprozess. Durch die militärische Intervention der UdSSR und vier weiterer Staaten des Warschauer Paktes wurde dieser Prozess gewaltsam unterbunden. Man beklagte 94 Todesopfer. Diese wurden durch die Breschnew-Doktrin pseudo- legitimiert. Das, was sich auf den Straßen zutrug, wird teilweise durch Originaleinblendungen dargestellt. 

Worum geht es? 

Der in Prag lebende Hirn-Chirurg Tomas (Daniel Day-Lewis), ein sehr hagerer, leicht unterkühlter Mann, dessen erotische Ausstrahlung mir erst - wenn überhaupt - auf den dritten Blick auffiel, ist polygam veranlagt und lebt seine diesbezüglichen Neigungen voll aus. Mit seiner hocherotische, bildschönen Geliebten Sabina (Lena Olin), einer Künstlerin, die ähnlich wie er viele Affären hat, scheint er eine besonders zufrieden stellende körperliche Beziehung zu haben. Die beiden sind spürbar immer wieder sexuell voneinander in den Bann geschlagen. Sie haben Spaß am Moment und gehen anschließend stets erneut ihrer Wege. 

Bürgerliche Bande streben sie offenbar nicht an. Die beiden genießen die Leichtigkeit des Seins, wenn man so will. Auf dem Land lernt Tomas durch Zufall Teresa (Juliette Binoche), ein hübsches, leicht melancholisches, introvertiertes Mädchen kennen. Als die beiden auf einer Parkbank miteinander sprechen, liest Teresa gerade Tolstois Anna Karenina. 

Zehn Tage später steht sie bei Tomas in Prag vor der Tür und zieht zunächst vorübergehend zu ihm in die Wohnung. Sie sucht einen Job in der Stadt. Zwischen den beiden entspinnt sich - wie könnte es anders sein - eine sexuelle Beziehung, die Thomas keineswegs veranlasst seinem polygames Liebesleben ein Ende zu setzen. Seine sexuellen Eskapaden haben nichts mit seinem Liebesleben zu tun. 

Teresa leidet unter dieser Polygamie und versucht ihre Hauptwidersacherin Sabina mittels Fotoaufnahmen körperlich zu studieren. Es kommt zwischen den zwei Frauen sogar zu körperlichen Annährungen, die allerdings seitens Teresa keine lesbischen Komponenten beinhalten. Teresa kann nur dann erfüllenden Sex haben, wenn sie liebt. 

Tomas ist ihre große Liebe, den sie mit anderen Frauen nicht teilen möchte. Nach dem Ende des Prager Frühlings emigrieren die Protagonisten nach Genf, aber Teresa kehrt alsbald nach Prag zurück, weil sie sich für ein neues Leben zu schwach fühlt. Tomas folgt ihr, da er die Leichtigkeit des Seins, die er eigentlich genießt, ohne seine Frau nicht ertragen kann. Er scheint sich ohne ihrer Nähe einsam zu fühlen. Ob das ein Indiz für Liebe ist, möchte ich allerdings bezweifeln. 

In Prag bekommt Tomas wegen eines Artikels, den er im Prager Frühling verfasste, Ärger und darf nicht mehr als Hirn-Chirurg tätig sein. Seine amourösen Abenteuer sind nach wie vor Teil seines Lebensinhaltes. Erst der Tod vereint Teresa und Tomas auf ewig miteinander, wobei nach meiner Ansicht Tomas bei Sabina besser aufgehoben gewesen wäre. 

Beindruckende, aber auch gleichzeitig beklemmende Bilder von Prag aus lang zurückliegender Zeit. Sehr gute, sehr nachdenkliche Dialoge.

Empfehlenswert.

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich  

Rezension: Der große Gatsby (DVD)

Der vorliegende Film zählt zu meinen Lieblingsfilmen, obschon die gleichnamige Romanhandlung von Fitzgerald nicht 1:1 umgesetzt worden ist. Das halte ich aber nicht für besonders bemängelswert, denn der Geist des Romans spiegelt sich im Film auf beeindruckende Weise. Genau darauf kommt es bei Literaturverfilmungen meiner Meinung nach an.

Beleuchtet wird die High-Society der Ostküste der USA während der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Als Tableau dient die tragische Liebesgeschichte zwischen dem reichen, Geheimnis umwitterten Jay Gatsby und der schönen, aber leichtfertigen Daisy.

In Amerika zeigen sich die so genannten "Goldenen Zwanziger" als die Zeit der Prohibition, des ausgiebigen Drogenkonsums, der luxeriösen Parties mit neuartigen Jazzklängen. Zudem werden die Oberflächlichkeit, Blasiertheit und Übersättigung der mondänen, höheren Gesellschaftsschicht zu Tage gefördert. Zeitgenossen, die erst jüngst zu Geld gekommen sind, finden dort kaum Zugang und selten wirkliche Akzeptanz. Der amerikanische Traum, der verspricht, dass man durch Tüchtigkeit alles erreichen kann, stellt sich in seiner realen Durchführung als höchst fragwürdig dar oder stößt zumindest, wenn es um gesellschaftliche Anerkennung geht, an seine Grenzen. Der tüchtige Gatsby (Robert Redford), der so vielen Vieles gibt, hat im Grunde keine Freunde, keine wirklichen Herzensbeziehungen, die auf Gegenseitigkeit beruhen.

Die Menschen um ihn herum sind - nahezu ohne Ausnahme - materiell fixiert und letztlich alle vom Stamme Nimm. Selbstbezogen, vermögen sie nicht die seelische Tiefe dieses Mannes zu erkennen. Als Mensch ist Gatsby für diese ethisch verkommene Clique nicht interessant. Dies gilt vor allem für die von ihm so geliebte Daisy.

Ich kenne keinen Schauspieler, dessen Augen so viel Intelligenz und spitzbübischen Charme versprühen wie jene von Robert Redford. Die Rolle des Gatsby ist ihm wahrlich auf den Leib geschneidert. Man begreift nicht, weshalb die farblose Daisy (Mia Ferrow) von diesem Mann nicht hingerissen ist. Attraktiver als Gatsby alias Redford kann kein Mann sein. Ist Daisy blind?

Beeindruckende Bilder von Gartenpartys auf Gatsbys Anwesen begeistern der Zuschauer. Die hübschen, glitzernden Kleider aus den Zwanziger Jahren, die die Frauen tragen, deren gesamte Aufmachung, aber mehr noch die Musik wirken lange nach.

Trotz der vielen schönen Momentaufnahmen ist " Der große Gatsby" ein sehr trauriger, aber keineswegs sentimentaler Film. Man leidet mit den Protagonisten, während er auf einer Luftmatraze im Swimming Pool liegt und die Klänge von " What`ll I do? " leise die Ohren betören.

Gatsby ist eine tragische Gestalt. Die Bild - und die Tonqualität sind ausgezeichnet!

 Ein sehr empfehlenswerter Film

Im Fachhandel erhältlich.

Rezensionen: #Sophie_Scholl - Die letzten Tage (DVD)

Zur Vorgeschichte: Als Hitler an die Macht kam, lebte die Familie Scholl in Ulm. Trotz der Warnungen ihres Vaters waren die Geschwister Sophie und Hans mit Begeisterung in der Hitlerjugend. Doch Hans begann allmählich zu zweifeln. Auch für Sophie wurde das halbe Jahr Arbeitsdienst und ein weiteres halbes Jahr Kriegshilfsdienst zu schweren Probe.

Der Vater ist mehrfach von der Gestapo verhört und verhaftet worden. Endlich konnte Sophie 1939 ihr Studium beginnen. Dort traf sie wieder auf ihren Bruder Hans und seine Freunde.

Stark beeindruckt wurde die Gruppe von Professor Kurt Huber, einem Philosophen und Psychologen. Als Sophie die "Flugblätter der Weißen Rose" las, die kurz nach dem Beginn des Studiums plötzlich in der Universität auftauchten, kamen ihr die Sätze darin seltsam vertraut vor und bald musste sie entdecken, dass ihr Bruder daran wesentlichen Anteil hatte

Nach einem Fronteinsatz der Medizinstudenten während der Semesterferien wurde die Widerstandsarbeit wieder aufgenommen und wirkte sich auch nach Freiburg und Hamburg aus.

Nach Katastrophe in Stalingrad beteiligte sich Sophie aktiv an der Herstellung und Verbreitung von Flugblätter. Das ist der Moment, wo der Film seinen Anfang nimmt:

Man sieht Sophie, dargestellt von Julia Jentsch, zunächst in ihrem Zimmer einen Brief schreibend, in welchem sie völlig entzückt ein Schubertlied erwähnt. Alles wirkt friedlich, beinahe idyllisch.

Schon wenig später jedoch ist es aus mit der Idylle. Einige Mitglieder der "Weißen Rose" verfassen einen Aufruf, der demokratische Strukturen für Deutschland fordert und das Ende des Terror-Regimes der Nazis dezidiert postuliert. Der Aufruf wird vervielfältigt. Hans und Sophie verteilen ihn u.a. an der Uni in München, wo sie vom Hausmeister entdeckt und sofort Gestapo übergeben werden.

Jetzt beginnen die Verhöre, die übrigens textlich über lange Passagen den Original-Verhörprotokollen entsprechen. Der Gestapomann Mohr (hervorragend dargestellt von Alexander Held), ein typischer NS-Spießer, befragt Sophie zur Sache und verliert aufgrund ihrer Stärke während des Verhörs immer mehr an Dominanz. Am Ende versteckt er sich nur noch hinter den Gesetzen als Sophie Scholl ihn mit Fragen des Gewissens konfrontiert.

Die Scholls versuchen soviel "Schuld" wie möglich auf sich selbst zu ziehen, nachdem die Indizienlage das Leugnen der Flugblattaktion unmöglich gemacht hat, weil sie ihre Freunde schützen wollen.

Schließlich findet ein Schauprozess statt, wo man die Geschwister Scholl und ihren Freund Christoph Probst des Hochverrates und der Wehrkraftzersetzung anklagt.

Sophie träumte in der Nacht vor dem Prozess sie sei mit einem Kind im Arm in eine Gletscherspalte gestürzt, habe das Kind aber noch auf der sicheren Seite ablegen können. Diesen Traum erzählt sie ihrer Zellenmitbewohnerin und analysiert, dass das Kind die Idee sei, die nach ihrem Tod am Leben bleiben werde.

Freisler verurteilt die drei jungen Studenten zum Tode. Sophie lässt sich von diesem fürchterlichen Menschen allerdings nicht einschüchtern und spricht aus, was sie denkt.

Bevor sie tags darauf zur Guillotine geführt wird, notiert sie in ihrer Zelle auf ein Blatt das Wort Freiheit, betet mit einem Priester und saugt die morgendliche Sonne nochmals ganz bewusst ein.

Die drei Freunde treffen sich auf eine Zigarette, umarmen sich, dann wird Sophie abgeführt. Man sieht Sophie auf der Guillotine liegen und vernimmt das martialische Klacken ..... All dies, was der Film zeigt, ist real geschehen. Einfach unfassbar!

Die Widerstandgruppe die "Weiße Rose" forderte zum passiven Widerstand auf und zwar im Namen der Gerechtigkeit, der Menschlichkeit, der anständigen Gesinnung und der christlichen Glaubens. Dass die Antwort der Nazis auf diesen Idealismus ohne Gewalt und Organisation die Hinrichtung war, kennzeichnet noch schärfer als das Vorgehen vom 20. Juli 1944 das Wesen des Dritten Reiches.

Im Anschluss an den Film, der sehr überzeugend -auch im Detail- den Geist der NS-Zeit wiedergibt, erfährt man, wie dieser entstanden ist und wie die einzelnen Schauspieler sich mit ihren schwierigen Rollen mental auseinandergesetzt haben.

Sehr empfehlenswert!

Im Fachhandel erhältlich.

Helga König

Rezension 2009

Rezension: Der Löwe im Winter (DVD)

Während meines letzten Aufenthaltes an der Loire besuchte ich das Kloster Fontevraud. Dort sind die Leichname von Eleonore von Aquitanien und von ihrem Gatten Heinrich II bestattet, auch ihre Nachkommen Richard Löwenherz und Isabelle d` Angoulem haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. 

Auf der Grabstatue von Eleonore von Aquitanien ist die einstige Königin von Frankreich dann von England mit einem Buch abgebildet. Die bildschöne Aquitanierin war, wie man der Biographie von Regine Pernoud entnehmen kann, eine Intellektuelle. 

Die beiden Hauptdarsteller des vorliegenden, mit 3 Oscars gekrönten Films sind König Henry II (Peter O`Toole) und seine Gemahlin Eleonore (Katherine Hepburn). Die Filmhandlung spielt 1183 auf Schloss Chinon. Schloss Chinon (Indre et Loire) war einst eine königliche Residenz Henry II.

Zum besseren Verständnis des Film einige Informationen zu den beiden Hauptdarstellern: Eleonore von Aquitanien (1122- 1204) war die Erbtochter Wilhelm X des Herzogs von Aquitanien und ist als Königin der Troubadoure in die Geschichte eingegangen, nicht zuletzt, weil sie bereits am Hofe ihres Vaters den Minnegesang förderte und auch während ihrer glänzenden Hofhaltung als englische Königin die Troubardourpoesie Musik- und Kunstinteressierten weitervermittelte. 

1137 wurde sie mit König Ludwig VII von Frankreich vermählt. Eleonore galt als sinnlich und graziös, ihr Ehemann als fromm und plump. Die schöne Eleonore ertrug das Leben mit dem "königlichen Schreiber" 15 Jahre lang. Während des zweiten Kreuzzuges, auf dem sie ihn begleitete, teilte sie in Antiochos ihren Entschluss mit, sich scheiden zu lassen. "Ich glaubte einen Mann zu heiraten und keinen Mönch." 

Vom Orient betört (zweifelsohne auch von einem schönen Christen, ihrem Onkel Raimond von Poitiers und einem hübschen Mohammedaner, dem Höfling Saladin) dachte sie daran sich dort niederzulassen, aber Ludwig VII war keineswegs gewillt auf diese Frau und deren Mitgift Aquitanien zu verzichten. Er entführte sie mit Gewalt aus Antiochos und fuhr mit ihr an die Ufer der Seine zurück. Es half nichts. Nachdem das Konzil von Beaugency bei den Eheleuten Blutsverwandtschaft sechsten Grades festgestellt hatte, annullierte es am Palmsonntag des Jahre 1152 die Ehe von Eleonore und Ludwig. Aquitanien ging an die einstige Besitzerin zurück. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie sich bereits in Heinrich Plantagenet, Graf von Anjou, Herzog der Normandie verliebt, heiratete ihn zwei Monate später und schenkte ihm Aquitanien. 

Ab 1154 herrschten Heinrich II( 1154-1189) und Eleonore über England. Ihr Reich erstreckte sich von Schottland bis zu dem Pyrenäen. Während ihr Mann in den nördlichen Marken Krieg führte, verwaltete Eleonore Aquitanien allein. Zu jener Zeit lebte sie prunkvoll abwechselnd in Poitiers, Niort und Bordeaux, umgeben von hübschen Damen und galanten, redegewandten Herren. Sie beschützte die Troubadoure und Gelehrten, erfand "Kurse der Liebe" und reagierte flink bei geistvollen Spielen, verachtete darum aber keineswegs die Freuden des Körpers. 

Sie war Künstlerin und Liebende und betrachtete sich als Beschützerin öffentlicher Belange. Die Herzogin Eleonore urteilte, erließ Gesetze unterstützte Kommunalbewegungen, es heißt sogar sie habe ein Gesetzbuch für die Seeschifffahrt verfasst. Ihre mütterliche Leidenschaft wurde ihr zum Verhängnis. 

Da sie den Aufstand ihrer Söhne Heinrich, Richard und Geoffroy gegen ihren Vater unterstütze, ließ Henry sie auf Schloss Salisbury gefangen setzen. Zum Zeitpunkt der Filmhandlung blickte sie bereits auf 10 Jahre Gefangenschaft zurück.....

Zu Anfang des Films werden zunächst die Söhne Richard, Geoffroy und John vorgestellt, der Erstgeborene Sohn Henry ist bereits verstorben. Henry II. möchte, dass sein jüngster Sohn König wird, obschon dieser nicht die Fähigkeiten dazu besitzt. Er hinterlässt einen geradezu debilen Eindruck. Geoffroy ist intelligent, aber furchtbar intrigant. Richard (Antony Hopkins), der wohl Fähigste von allen, ist voller Hass auf seinen Vater. Alle drei Söhne möchten König werden, misstrauen einander und befeinden sich unterschwellig ständig, weil jeder den Ambitionen des anderen im Wege steht. Henry hält anlässlich des Weihnachtsfestes auf Chinon Hof. Er befindet sich mit seiner jungen Geliebten Alais (sie ist die Schwester des französischen Königs Philipp II (Timothy Dalton) - Sohn des einstigen Gatten Eleonores aus zweiter Ehe) bereits vor Ort. Eleonore kommt wie jedes Jahr aus Salisbury angereist, bewacht von Henrys Soldaten. 

Zwischen Henry und ihr findet ein zweistündiger verbaler Schlagaustausch statt, den ich auf diesem Niveau bislang nur in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf " kennen gelernt habe. Gestritten wird um das Erbe, gezankt wird darum, wer König werden soll. Beide Elternteile haben unterschiedliche Favoriten...., doch es geht noch um mehr. 

Es geht auch um verletzte Eitelkeiten und Eifersucht und um grenzenlosen Hass. Eleonore kann Henry nicht verzeihen, dass er sie mit anderen Frauen betrogen hat, obschon auch sie keine Heilige war. Auch Henry reagiert alles andere als unemotional wegen der einstigen Liebhaber Eleonores. Das Ehepaar galt einst als das Liebespaar Europas. Alle Biographen schreiben von der enormen erotischen Anziehung der beiden zueinander innerhalb der ersten Ehejahre. 

Nun weiß man, dass aus wirklich leidenschaftlichen Liebesbeziehungen, wenn sie enden, keine Freundschaften werden können und so ist zwischen Eleonore und Henry nach ihrer Trennung ein Machtkampf ausgebrochen. Sie benutzen ihre Kinder, um diesen Kampf miteinander auszutragen. Ihre Kinder sind Mittel nur zu einem einzigen Zweck: sich gegenseitig weh zu tun. Alle drei Söhne haben extreme Persönlichkeitsdefizite, aufgrund ihrer lieblosen Erziehung, alle drei Söhne hassen ihre Eltern, die am liebsten ewig leben würden, wie die beiden bekunden. Sie missgönnen ihren Kindern das, was sie in ihrem Leben zuhauf genossen haben.... 

Die Kulissen des 1968 gedrehten "Der Löwe im Winter" sind ebenso hervorragend wie die Kostüme. Besser hätte man das Mittelalter nicht visualisieren können. Die Musik ist ein Ohrwurm und fügt sich sehr gut in das Gesamtkonzept. 

Der Film von Antony Harvey basiert übrigens auf dem Theaterstück von James Goldmann und setzt hohe Konzentration voraus. Die Texte sind sehr niveauvoll, hintergründig und werden schnell gesprochen. Im Kapitel "Damals" werden Bilder aus der Vergangenheit heraufbeschworen, die dem Zuschauer, der die Geschichte der beiden nicht kennt, Hintergrundinformationen liefern, um die Zusammenhänge besser zu begreifen. 

Ich habe mir erlaubt diese Infos meiner Rezension voranzustellen, weil dadurch der Filmgenuss vergrößert wird. Katharine Hepburn und Peter O `Toole spielen göttlich. Neben "Wer hat Angst vor Virginia Woolf " ist dies der beste Film, den ich bislang in meinem Leben gesehen habe. 

Die Dialoge sind spitzzüngig, hochintelligent und dabei voller Esprit. Die beiden Ausnahme-Schauspieler Hepburn und O`Toole besitzen das Format, um die Texte auf den Punkt genau sprachlich und mimisch umzusetzen. Die Leinwand ist hier zur Theaterbühne geworden. Die Ton- und Bildqualität sind bestens. 

Sehr empfehlenswert.