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Rezension : »Der Hauptmann von Köpenick«

Karl Zuckmayers Bühnenstück "Der Hauptmann von Köpenick" habe ich vor vielen Jahrzehnten in der Schule gelesen und diesbezüglich damals eine Hausarbeit angefertigt. Möglicherweise sah ich den Film bereits als Kind im Fernsehen, ich meine mich nämlich an einige Szenen erinnern zu können, speziell an jene, bei der der Schuster Wilhelm Voigt (Heinz Rühmann) als Hauptmann von Köpenick sich über seine Maskerade schier schippelig lacht.

Zum "Hauptmann von Köpenick" wurde im Grunde bereits alles gesagt und geschrieben. Ich thematisiere den Film heute auf ein "Buch lesen", weil die Quintessenz der Handlung weit über eine Kritik am preußischen Obrigkeitsstaat, auch an den Auswüchsen von Militarismus unter Wilhelm II., wie sie im Film deutlich werden, hinausgehen. Die Quintessenz ist eine Warnung vor der Hierarchiegläubigkeit, die sich seit Zeiten Kaiser Wilhelm II. kaum geändert hat. Waren es in jener Zeit der Adel und die gehobenen Beamten, wie auch die oberen Dienstgrade beim Militär, die den Menschen Erfurcht einflößten, sind es heute gekaufte oder im Internet gar gefakte Doktorentitel, mittels denen sich Menschen täuschen und zu gruppendynamischen Handlungen antreiben lassen. Insofern hat der Film in seiner dargestellten Problematik nichts an Brisanz verloren.

Die Geschichte Voigts an dieser Stelle in epischer Breite zu erzählen, erspare ich mir, nicht zuletzt, weil man diese bei Wikipeda nachlesen kann. Rühmann spielt den Schuster, der nicht bei seinen Leisten bleibt, hervorragend. Man sieht über seine Straftaten in jungen Jahren beinahe hinweg, weil er es schafft, beim Zuschauer Mitleid zu erregen. Voigt braucht ein Dokument (einen Pass), den er auf legalem Wege nicht zugebilligt bekommt und findet als "Hauptmann von Köpenick" einen Weg, diesen zu erhalten und zwar, weil man sich über seine Gewitztheit amüsiert.

Mitleid zu erregen, durch angemaßte Titel zu täuschen und zu einem erfolgreichen Ergebnis zu gelangen, das ist die Botschaft des Films. Diese sollte man sich gut merken, um bei hinkenden Möchtegerngrafen oder- doktoren den schmutzigen Pferdefuß nicht zu übersehen, d.h. nicht auf diese Mitleid- sowie Titelmasche hereinzufallen und sich ergo nicht über den Tisch ziehen zu lassen.

Bei all dem ist freilich die harsche Kritik an der menschenverachtenden Bürokratie berechtigt, aber sie ist nicht das Hauptthema des Films, wie mir scheint.


Das Bonusmaterial enthält den Trailer, eine abgedruckte Kurzbiografie und einige Informationen zu Filmen Rühmanns. Heinz Rühmann und dessen Sohn geben dabei erhellende Interviews. Rühmann berichtet u.a., dass er ursprünglich die Rolle des Hauptmanns nicht hätte spielen sollen und zwar mit der Begründung, dass er zuvor "Charleys Tante" gespielt habe und deshalb in den Augen einiger "Ewig- Gestriger" unwürdig gewesen sei, einen Hauptmann zu mimen. Damit wird deutlich, dass zum Zeitpunkt des Drehs immer noch Menschen in den Denkstrukturen von 1906 steckten. Im Interview wird auch klar, dass es Rühmann noch in den 1950er Jahren sehr schwer hatte und in seinem Leben neben Höhen auch Tiefen erlebte. Vielleicht strahlte er deshalb so viel Herzenswärme, Milde und Nachsicht aus.

Ein toller Film. Dass die Farbqualität nicht das Niveau heutiger Filme hat, finde ich unproblematisch.









Bild: Wikipedia- de: Wilhelm Voigt, Hauptmann von Köpenick, Statue vor dem Rathaus Berlin-Köpenick

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Rezension: Ein gutes Jahr

Diesen Film habe ich vor einiger Zeit bereits rezensiert, allerdings zu anderen DVD-Ausgaben. Gestern nun kam das bei Amazon georderte "Cine -Projekt" bei mir an. Da ich mir den Film schon gut 7 x angesehen habe, begann ich bei dieser DVD mit der Sonderausstattung, deren Länge die Spielfilm-Laufzeit von ca.113 Minuten (zumindest gefühlt) um Einiges übertrifft.

Man erfährt hier seitens des Produzenten Ridley Scott und des Drehbuchautors Marc Klein, weshalb man sich entschlossen hat, vom Roman Peter Mayles abzuweichen, nach welchen Kriterien die Auswahl der Schauspieler getroffen wurde und bekommt Einblick in den Szenenaufbau nahezu aller Szenen. Der Hauptdarsteller des Films (Max) Russell Crowe wird neben anderen Darstellern interviewt. Man erlebt ihn als sehr charmanten, reflektierten Menschen, den Ridley Scott in höchsten Tönen lobt, weil Crowe zu den eigenständigsten Schauspielern Hollywoods zählt, die sich dazu noch hervorragend in ein Team einbringen können. Crowe ist ein Mann ohne Allüren, wenn man Ridley Glauben schenken darf. Das kaufe ich Ridley gerne ab. Ich finde Crowe nämlich auch hinreissend natürlich.

Die erste Szene des Films spielt in der Provence auf dem Weingut des sehr sympathischen, in die Jahre gekommenen Briten Henry (Albert Finney). Der Waisenknabe Max verbringt dort bei seinem Onkel stets die Sommerferien und lernt von diesem Dinge, die für sein späteres Leben wichtig sind, so etwa, dass man nie aufgeben und aus seinen Niederlagen stets lernen soll. Die erste Szene zeigt die beiden beim Schachspiel. Henry gestattet seinem kleinen Neffen sogar etwas verdünnten Wein zu trinken und an seine Zigarre zu ziehen. Er geht mit ihm um, wie mit einem kleinen Erwachsenen und genau dafür liebt ihn Max, der im Internat nur Unterdrückung und Ablehnung erfährt.


In der 2. Szene dann erlebt man Max als Erwachsenen, der leitender Wertpapierhändler bei einer Londoner Bank ist. Man nimmt ihn als zynischen Abzocker, der immer bis an die Grenze der Legalität geht, wahr, wenn es sich um seinen Erfolg handelt. Die Banker-Welt in London ist völlig technologisiert und damit der Welt in der Provence entgegen gesetzt. Geht es in London ausschließlich um geschäftlichen Erfolg und damit um Geld, steht die Provence für Genuss, für die Liebe und ein naturverbundenes Leben. Hier Hektik und Schnelligkeit, dort das Langsame, Bedächtige. Hier technische Intelligenz, dort die Weisheit.

Max ist ein cooler Stratege, ein ehrgeiziger Macher, der sich keinen Urlaub gönnt. Als Lebensaufgabe sieht er das Geldmachen, dafür ackert er rund um die Uhr.

Als er erfährt, dass sein Onkel verstorben ist und dass er dessen Anwesen in der Provence geerbt hat, reist er gezwungenermaßen in den Süden und findet dort zu seinem eigentlichen, doch sehr sensiblen Wesen zurück. Beim Abwerfen der rauhen Schale hilft ihm die schöne Fanny (Marion Cotillard), in die er sich unsterblich verliebt....

Es führt zu weit im Rahmen dieser Rezension Szene für Szene auszuloten. Sehr witzig sind die Dialoge zwischen Max dem Weinmacher, die den Gegensatz französischer und britischer Mentalität so wunderbar persiflieren.


Die Landschaftaufnahmen im Film begeistern mich ebenso wie die Bilder von Gordes. Was gibt einem rund um die Uhr arbeitenden Menschen ein Original-Gemälde von van Gogh, das er - aus Angst vor Diebstahl - im Tresor liegen hat? Ist ein solches Bild oder sind es andere sündhaft teure Dinge wert, dauerhaft Maus im Rad auf hohem Niveau zu sein? Das sind die Fragen des Films, auf die zum Schluss eine klare Antwort gegeben wird.

Die Bild- und Tonqualität der Komödie sind bestens. Der Filmhandlung fehlt es nicht an Witz. Die Filmmusik passt großartig zur Filmhandlung und dem Savoir-vivre, dem dort gehuldigt wird.

Sehr empfehlenswert.
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Rezension:Die Gräfin (DVD)

Die Filmhandlung hat das Leben der Gräfin Erzsébet Barthóry (1560-1614) zum Thema und lässt sich dabei lobenswert viele erzählerische Freiheiten. Für mich stellt sich nach dem Betrachten des Streifens nicht die Frage, ob Erzsébet nun tatsächlich Hunderte von jungen Mädchen gefoltert und ermordet hat, um ihren Alterungsprozess zu stoppen oder nicht, sondern mir genügt der Gedanke, dass man es bereits in Renaissancezeiten für möglich hielt, dass eine Frau der Eitelkeit und Altersangst wegen, zu solchen Handlungen überhaupt fähig sein könnte.
Die Geschichte der grausamen, alternden Erzsébet, die sich angeblich im Blut von Jungfrauen badete, um ihre Falten auf diese Weise zu glätten, ist in meinen Augen eine Parabel auf die Auswüchse des Körperkultes in heutiger Zeit. Noch müssen keine Jungfrauen sterben, damit krankhaft eitle, in die Jahre gekommene Möchtegernmodells vermeintlich ewige, äußerliche Jugend erwerben können, aber das Wundermittel Botox bedeutet für mittlerweile jährlich weltweit bis zu 300.000 Versuchsmäuse den Tod. Diese Tiere erleiden zuvor Muskellähmungen, Sehstörungen und Atemnot. Die Botoxbräute stört dies offenbar wenig.


Im Film wird Erzsébet (Julie Delphie) als eine sehr intelligente Frau ohne Mitgefühl dargestellt, die in einen fatalen Jugendwahn gerät, als ihr 20 Jahre jüngerer Geliebter (Daniel Brühl) sie verlässt. Ihm war ihr Alter gleichgültig. Das Problem des Alterns war ihr ureigenes Problem, das sie zunächst durch einen jüngeren Geliebten zu lösen versuchte, wie dies heute angeblich viele Damen aus der Filmwelt ebenfalls zu probieren pflegen. Wie weit würden heute dahinwelkende, narzisstische Menophasenneurotikerinnen gehen, wenn man ihnen verspräche, dass Jungfrauenblut sie von ihrer Schrumpelhaut befreien würde? Wie weit würden sie gehen, wenn die Gesetze alles erlaubten?


Die Schauspieler haben ihre Rollen perfekt gespielt. Die Renaissancekostüme sind in ihren düsteren Farben sehr gut gewählt. Die Atmosphäre im Film ist beinahe transilvanisch, gar nicht so weit entfernt von den Irrsinnigkeiten des Jahrmarkts der Eitelkeiten im Hier und Heute, wenn man den Gazetten beim Friseur Glauben schenken darf.



Die Ton- und Bildqualität sind o.k.




Rezension:Die Herrin von Thornhill mit Julie Christie - SZ Cinemathek Traumfrauen (DVD)

Die vorliegende Filmhandlung spielt im England des zu Ende gehenden 19. Jahrhunderts und dort auf dem Land.

Die schöne, tatkräftige Bathsheba Everdene (Julie Christie) hat ein Landgut geerbt und entschließt sich, dieses Gut selbst zu verwalten. Schnell findet sie sich in ihre Aufgabe ein und erwirbt sich Respekt bei ihrem Personal und den benachbarten Gutbesitzern, die beim Kauf von Saatgut erleben dürfen, dass Bathsheba sich keineswegs blauäugig von durchtriebenen Händlern über den Tisch ziehen lässt, wie man dies von ihr zunächst erwartet.

Zu Ihrem Personal ist sie streng aber fair und lässt ihre Leute wissen, dass sie für sie nicht bloße Produktionsmittel sind, sondern Menschen, die sie als solche wertschätzt.

Bathesheba , die sich als Gutsherrin auschließlich von der Vernunft leiten lässt, agiert in Liebesangelegenheiten nur nach ihren Gefühlen.

Drei Männer verlieben sich in sie und halten um ihre Hand an.

Die Gutsbesitzerin möchte den Mann, den sie heiratet, innig lieben.

Ihrem Jugendfreund (Alan Bates) hat sie schon als junges Mädchen einen Korb gegeben, doch dieser liebt sie noch immer. Seine Liebe ist beinahe selbstlos. Er steht ihr - der Herrin von Thornhill - bei, wo er nur kann und zeigt sich als zuverlässiger Partner an ihrer Seite. Er ist ihr bester Freund, obschon sie sich dies niemals eingestehen würde.

Ein wesentlich ältere Großgrundbesitzer (Peter Finch) liebt Bathsheba besitzergreifend und möchte ihr den Himmel auf Erden bereiten. Die junge Frau zögert, weil ihr Herz nicht entflammt ist.

Dieses brennt allerdings lichterloh als sie auf einen attraktiven Kavalleriesergeanten (Terence Stam) trifft, der nicht nur als Draufgänger und Spieler, sondern auch als Herzensbrecher in aller Munde ist.

Der Soldat zeigt ihr Degenkunststückchen und sie unterwirft sich dabei fast spielerisch einer Mutprobe, mittels welcher er Bathseba im Sturm erobert.

Die junge Frau verliebt sich in den Taugenichts, glaubt gar ihn zu lieben und wiedergeliebt zu werden, allerdings wird sie nach der Eheschließung eines Besseren belehrt.
Bathseba erkennt, dass nicht vordergründige Verliebtheit, sondern gegenseitiges Vertrauen und die Bereitschaft füreinander da zu sein, die Grundlagen einer Ehe sind und ohne diese Vorraussetzung eine Beziehung, die ein Leben lang halten soll, nicht möglich ist.

Eine solche Liebesbeziehung ist keine stürmische , wie man sie aus einschlägigen Liebesromanen kennt, sondern eine leise, fast verhaltene, die in der Lage ist, beidseitig tief in den Herzen zu verwurzeln.
Wird Bathsheba am Ende eine solche Liebsbeziehung finden?

Beeindruckende Landschaftsbilder lassen den Zuschauer in eine Zeit eintauchen, die wenig Raum ließ, seinen spontanen Liebesgefühlen freien Lauf zu lassen. Man musste das Leben gemeinsam unter schwierigsten Bedingungen meistern. Das war nur möglich, wenn man sich hundertprozentig aufeinander verlassen konnte.

Julie Christie wird in meinen Augen zu Recht als Traumfrau bezeichnet, denn sie ist bildschön und ausdrucksstark. Selten sieht man so glaubhaft Emotionen in einem Gesicht gespiegelt wie bei dieser Schauspielerin, die dazu noch hocherotisch und sinnlich ist, ohne eine Femme fatal zu sein.

Die Farb- und Tonqualität sind zufriedenstellend. Das Preis-Leistungsverhältnis ist o.k.

Dass es sich um einen John- Schlesinger- Film handelt, soll nicht unerwähnt bleiben, nicht zuletzt weil dieser Regisseur zum besten Regisseur des Jahres 1969 gewählt wurde. In dem 156 Minuten andauernden Streifen wird dies mit Bravour unter Beweis gestellt.

Der Film ist frei von Kitsch, obschon der Filmtitel dies vielleicht vermuten lässt.

Empfehlenswert!
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Rezension: Mythos Leben

Heute früh habe ich mir die 3 DVDs der vorliegenden Kasette voller Neugierde angesehen. 150 Minuten Laufzeit mit einer Fülle von Informationen veranlassten mich, mir immer wieder Notizen zu machen, aber mich dann dazu zu entscheiden, die Forscher, die auf den DVDs zu Wort kommen weder beim Namen zu nennen, noch all ihre Forschungsansätze aufzulisten. Die Fülle der Infos lassen sich in einer Rezension nicht ausbreiten.

DVD 1 trägt den Titel "Die Geburt des Lebens auf der Erde- Die Ursprünge der Menschheit."

DVD 2 trägt den Titel "Die Evolution einer Idee- Auf der Suche nach den Ursprüngen des Lebens."

DVD 3 trägt den Titel "Gefährliche Planeten- Venus, Jupiter und Neptun: Warum kein Leben auf ihnen möglich ist."

Wissenschaftler stellen zunächst Überlegungen an, im Labor Lebenssysteme zu schaffen, d.h. aus einfachen Bausteinen eine funktionierende Zelle herzustellen. Die Bausteine des Lebens kamen vermutlich aus dem Weltall. Wie das geschah wird filmisch sehr anschaulich gezeigt. Kometen scheinen diese Urgene auf die Erde verteilt zu haben.

Man sieht Wissenschaftler bei ihrer Arbeit u.a. in Bolivien, um die Urspünge des Lebens zu erkunden und erfährt, dass der älteste Beweis für Leben in Australien gefunden wurde, der über 3,5 Millarden Jahre alt ist. 1953 begann man übrigens in der Wissenschaft damit, die Ursprünge des Lebens zu suchen.

Darwins Selektionsgedanke wird ausgiebig thematisiert. Man erlebt Wissenschaftler im Tropenwald, die dort die Artenvielfalt untersuchen. Man hört vom Töten und getötet werden und von der Flucht, die nach Darwin stets wichtig war, um seinen Feinden zu entkommen, wenn man überleben wollte. Die Geschichte der Natur ist die Geschichte des Stärkeren bei Darwin und wie auf der 2. DVD verdeutlicht wird, lag Darwin damit wohl richtig, denn Wissenschaftler haben die fehlenden Beweise für Darwins Thesen gefunden.

Erklärt wird auch, wieso wir auf dem Merkur, der Venus, dem Jupiter und den anderen Planeten unseres Sonnensystems nicht leben können und weshalb im Grunde nur der Mars eine Chance bietet unsere neue Heimat zu werden. Unwirtlich ist es allerdings auf dem Mars ebenfalls. So weit ich die Aussagen auf den DVDs begriffen habe, bleibt uns Menschen nichts anderes übrig, als uns immer wieder neu anzupassen, wenn wir überleben wollen, so wie die Fische, die einst an Land kamen und die Wale, die vom Land ins Wasser umzogen als ihnen Raubttiere das Leben auf dem Land zur Hölle machten.


Empfehlenswert.
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Rezensionen:Aguirre - Der Zorn Gottes - FOCUS-Edition (DVD)

Handlung dieses faszinierenden Films des Regisseurs Werner Herzog spielt 1650 in Peru und dort in den Anden.

Thema sind die Geschehnisse während eines spanischen Expeditionszuges in den Anden auf der Suche nach dem sagenumwobenen Goldland "El Dorado".

Mit dem Begriff "El Dorado" wurde ein sagenhaftes Goldland im Innern des nördlichen Südamerikas bezeichnet. Die Sage von einem vergoldeten Mann entstand aufgrund eines Ritus der Muisca in Guatavita, Kolumbien, bei dem der Häuptling vollkommen mit Goldstaub bedeckt wurde, der dann bei einem zeremoniellen Bad in einem See wieder abgewaschen wurde. Diese Sitte, schon einige Zeit vor der Ankunft der Spanier nicht mehr ausgeführt, war Anlass zur Suche nach weiteren Goldschätzen Altamerikas, die sich vom Amazonasbecken bis in die nordamerikanischen Prärien erstreckte. Die Fabel vom Goldland "El Dorado" blieb übrigens bis ins 18. Jahrhundert lebendig.

Don Lope de Aguirre (Klaus Kinski) wiegelt gleich zu Beginn der Filmhandlung die Soldaten eines Stosstrupps des besagten Expeditionszuges gegen dessen Anführer auf.

Dieser möchte aufgrund der Gefahren zurückkehren zu Pizarro, dem Anführer der Expedition. Aguirre will sich stattdessen von der spanischen Krone lossagen und unabhängig von ihr El Dorado erobern.

Am Zug durch die grüne Hölle nehmen auch zwei Frauen teil: die Verlobte des Anführers und die Tochter Aguirres.

Da der Weg durch den Urwald voller Gefahren steckt, versucht man mit einem Floß das gelobte Land zu erreichen.

Aguirre schafft es die Soldaten hinter sich zu scharen, indem er ihnen sagenhaften Reichtum verspricht und bewegt sie so dazu, mit ihm das Abenteuer mit ungewissem Ausgang zu begehen.

Ein Scheingericht verurteilt den ehemaligen Anführer zum Tode. Das Urteil wird schließlich mit Verzögerung vollstreckt. Nunmehr hindern Aguirre "nur" noch die vielen Gefahren der Wildnis und nicht zuletzt die überall lauernden, kannibalischen Indianer am glücklichen Ausgang seines Abenteuers.

Jetzt müssen sich alle dem Machtrausch Aguirres unterordnen. Für ihn bedeutet Reichtum mehr als Gold, für ihn bedeutet Reichtum in erster Linie Macht und Ruhm.

Aguirre besitzt alle negativen Eigenschaften eines Konquistadors.

Er ist größenwahnsinnig, machthungrig und habgierig. Kinski schafft es diese Eigenschaften nicht nur sprachlich, sondern auch mimisch hervorragend umzusetzen.

Gezeigt werden zudem anhand des bigotten Verhaltens eines Paters, die indifferente Haltung der katholischen Kirche während der Eroberung Südamerikas und die Brutalität bei der Christianisierung der Indianer.

Gezeigt wird die Menschenverachtung der Spanier gegenüber der Indianern und auch den Schwarzen.

Dass der blonde Kinski die Rolle des brutalsten Spaniers mimt und dabei die Herrenmensch- Attitüde extrem visualisiert, erinnert sofort daran, dass gerade die blonde Herrenmensch-Attitüde im letzten Jahrhundert fünfzig Millionen Tote zum Ergebnis hatte.

Größenwahn, Machthunger und Habgier sind von je her die Geisel des Menschheit, die nie etwas anderes als Leid und verbrannte Erde hervorbrachte.

Herzog lässt den Zuschauer in die Natur am Amazonas - Gebietes eintauchen. Es wird wenig gesprochen in diesem Film, stattdessen hört man die Geräusche des Urwaldes, sieht die Strömung des Amazonas, ahnt die Gefahren, die man beinahe mitzuerleben glaubt.

Wie groß muss die Habgier gewesen sein, dass man sich all der Gefahren aussetzte?

Die Ton- und Bildqualität sind o.k.

Ein empfehlenswerter Film!

Rezension:Fitzcarraldo (Einzel-DVD) (DVD)

Manaus ist die Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas in Brasilien. Der Ort liegt am Rio Negro. Dieser Fluss mündet in den Amazonas.

Zu Ende des vorletzten Jahrhunderts wurde die Stadt aufgrund des Kautschukbooms, der von 1890-1915 andauerte, sehr reich. Man erbaute 1896 sogar ein Opernhaus. Das war eine Sensation, die für interessanten Gesprächsstoff in den gebildeten Schichten jener Zeit sorgte.

Werner Herzog, der Drehbuchautor und Regisseur des vorliegenden Films lässt in der ersten Szene den damaligen Operstar Enrico Caruso in diesem Opernhaus singen.

Der Protagonist Fitzcarraldo (Klaus Kinski), ein glühender Verehrer von Verdi-Opern, ist mit seiner Geliebten (Claudia Cardinale) - einer Bordellbesitzerin - aus Iquitos angereist, einem Ort , der in jenen Tagen primär aus Bretterbuden bestand und noch gänzlich unerschlossen war.

Fitzcarraldo ist ein Träumer, mit vielen Ideen. Seine Vorstellung eine Eisenbahn durch den Dschungel zu bauen ist vor kurzem gescheitert. Doch sein eigentlicher Traum besteht darin ein Opernhaus in der grünen Hölle zu errichten, in dem auch Caruso singen soll. Fitzcarraldo möchte gewissermaßen das Paradies des Amazonas mit Verdis Kompositionen beschallen.

Dazu benötigt er Geld. Er fasst den Entschluss ein Schiff mittels einer Seilwinde über einen Berg zu schleppen, um so zu einem noch nicht ausgebeuteten Kautschukfeld zu gelangen und auf diese Weise Gewinne zu erzielen. Durchaus ist er sich im Klaren, dass dieses Unternehmen mit sehr großen Schwierigkeiten verbunden ist. Fitzcarraldo aber glaubt an sich und seinen Traum. Seine lebensbejahende Geliebte finanziert diesem "Spinner" lächelnd sein Projekt, während die reichen Kautschukbarone bereits auf sein Versagen wetten.

Es folgen traumhafte Bilder, die den Betrachter durch das Amazonas- Gebiet führen. Man sieht das gewaltige Wasser, auch das Urwald-Grün in all seinen Schattierungen und erfreut sich an den schauspielerischen Leistungen von Hunderten von Indios, die als Statisten in diesem Film für Authentizität sorgen.

Fitzcarraldo gelingt sein Unternehmen beinahe, weil ihm die Indios dabei helfen, den Dampfer über besagten Berg zu schaffen. Sie roden die mächtigen Bäume, bauen Schienen, arbeiten ununterbrochen. Auch sie haben einen Traum. Die stets für Unruhe sorgenden Flussgeister möchten sie besänftigen.

Mögen die beiden unterschiedlichen Träume auch dazu führen, dass Fitzcarraldo zunächst noch nicht den finanziellen Erfolg verbuchen kann, den er sich durch die Exkursion versprochen hat, so gelingt es ihm doch den Kautschukbaronen den Respekt abzuringen, den er für seine Leistung verdient hat. Vor Freude beinahe entrückt, lässt Fitzcarraldo auf dem Dampfer ein italienisches Orchester Verdis Musik spielen. Die Gesellschaft von Manaos und die Indios jubeln dem Opernenthusiasten vom Flussufer aus zu. Auch wenn er keine Oper im Dschungel errichtet hat, hat dieser Träumer es geschafft mit Verdis Klängen das Grün zu beschallen und zu zeigen, dass der Glaube an eine Sache Berge versetzen kann.

Der stets etwas fiebrig um sich blickende Kinski spielt die Rolle des von seiner Idee beseelten Fitzcarraldos überzeugend. Die attraktive Claudia Cardinale kommt an seiner Seite bestens zu Geltung. Kinski huldigt ihrer Schönheit sehr feinsinnig und macht sie auf dieser Weise zu Göttin des Amazonas.

Die Sensibilität, die von Kinski im Film ausgeht, besonders Hinblick auf die Kinder der Indios, seine liebevollen Blicke und seine sanfte Stimme haben mich sehr berührt. Ein wunderbarer Schauspieler mit ganz großem Feingefühl, das ihn in den Augen Dritter nicht selten als überdreht erschienen ließ. Leider.

Empfehlenswert.






Rezension: Die Freunde der Freunde

Die Freunde der Freunde (Ausgezeichnet - Die Gewinner-FilmEdition, Film 8) (DVD)

Dieser beeindruckende Liebesfilm entstand im Jahre 2002. Im darauf folgenden Jahr wurde er mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.
Regie hat Dominik Graf geführt. Das Drehbuch von Markus Busch und Dominik Graf beruht auf Motiven einer Liebesgeschichte von Henry James.

Protagonisten sind die beiden Internatsschüler Gregor (Mathias Schweighöfer) und dessen bester Freund Arthur (Florian Schwarz), die kurz vor dem Abitur stehen. Gregor ist der Romantiker von den beiden und glaubt daran, dass für jeden Menschen ein anderer bestimmt ist, es eine zweite Hälfte gibt, so wie Platon dies beschrieben hat. Arthur ist überzeugt davon, dass die Liebe eine vorübergehende Erscheinung ist und handelt seiner Überzeugung gemäß.

Arthur ist ein Don Juan, der eine geheimnisvolle, unergründbare Seite hat. So erschien ihm sein Vater zum Zeitpunkt dessen Todes. Billie, die junge Schweizerin (Sabine Timoteo), die die Schule 2 Jahre vor dem Abitur verließ, weil sie schwanger wurde, besitzt auch diese Fähigkeit Menschen zu dem Zeitpunkt ihres Todes visuell wahrzunehmen und vermag sich ähnlich wie Arthur dies nicht zu erklären.

Gregor verliebt sich in Billie und weiß irgendwann, dass diese Frau nicht seine zweite Hälfte ist, aber vieles spricht dafür, dass Arthur und Billie schon immer zusammengehört haben...

Obschon Arthur und Billie sich im realen Leben nie begegnet sind, spürt Gregor die Ähnlichkeit der beiden, die möglicherweise dadurch bedingt ist, dass sie einander schon ewig kennen...

Die Kameraführung mit einer Videokamera ist so gestaltet, dass der Film fast wie ein Dokumentarfilm erscheint. Die Dialoge entsprechen dem, wie sich junge Menschen tatsächlich unterhalten. Es gibt keine geschliffenen Dialoge oder dergleichen, sondern nachdenkliches, verwundertes Sprechen, mit Sprachpausen, auch Flapsigkeiten. Hier agieren junge Menschen, die noch viele Fragen an das Leben haben.

Gregor ist intelligent und sensibel. Er fühlt, wie nur junge Menschen fühlen können, die erahnen, dass es geheimnisvolle Seelenbänder gibt, die durch den Tod nicht zerschnitten werden können.

Diese Seelenbänder sind das Thema des Films. Auch zwischen den beiden Freunden Greogor und Arthur gibt es ein solches Band. Letztlich versagt Greogor als Freund, weil er für einen Moment nicht vertraute...

Die Bild- und Tonqualität ist ausgezeichnet.

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Rezenionen: Babel

Ein kalifornisches Ehepaar (Brad Pitt und Cate Blanchet) befindet sich auf einer Busreise durch Marokko. Dort wird die junge Frau im Bus von einer Kugel getroffen. Täter ist ein etwa 10 jähriges Kind, das aus Mutwillen mit dem Gewehr seines Vaters auf den Bus gezielt hat. Verletzungs- bzw. Tötungsabsicht lagen nicht vor. Der Junge spielte und war sich der Tragweite seines Tuns nicht bewusst.

Da die Kalifornier zunächst nicht wissen, wer geschossen hat, vermuten sie, dass Terroristen es waren und reagieren mit Angst vor weiteren Anschlägen. Im Bus ist kein Arzt. Ein solcher wird aber dringend benötigt, weil die Frau zu verbluten droht.
Der Busfahrer fährt eines der archaischen Dörfer in der kargen marokkanischen Landschaft an, damit man die Behörden anrufen und Hilfe herbeiholen kann. Die Behörden bemühen sich, arbeiten aber so langsam, wie überall auf dieser Welt. Der Arzt im Dorf verfügt über nur wenige medizinische Geräte und näht die Schusswunde der Frau ohne Narkose provisorisch zu, damit sie nicht verblutet. Zuvor hatte eine alte Marokkanerin mit ihrer bloßen Hand die Wunde am bluten gehindert und sich rührend um die fremde Frau gekümmert. Die Dorfbewohner erweisen sich als überaus hilfsbereit. Diese Hilfsbereitschaft haben die Kalifornier im Bus nicht, sie lassen das Ehepaar im Stich. Sie wollen weiter, weil sie Angst vor Terroristen haben. Es mangelt ihnen an Mitgefühl und Zivilcourage.


Während das Ehepaar auf einen Hubschrauber wartet, damit die Frau in einem Krankenhaus operiert werden kann, ihr Leben hängt an einem seidenen Faden, ereignen sich aufgrund des Geschehens in Kalifornien, in Mexiko und in Japan Dinge, die im kausalen Zusammenhang zu den Geschehnissen stehen...


Ein illegal in Kalifornien lebendes, sehr hilfsbereites und liebvolles Kindermädchen, verliert ihre Aufenthaltsgenehmigung, weil es allen gerecht werden wollte, ein taubstummes japanisches Mädchen, das über den Tod ihrer Mutter nicht hinwegkommt und das gerne so leben möchte wie alle anderen jungen Menschen, versucht ihren Vater vor der Polizei zu schützen, weil es glaubt, er habe ihre Mutter umgebracht. In Wahrheit recherchiert der Polizeibeamte jedoch wegen der Waffe, mit dem die kalifornische Frau angeschossen wurde und die der Vater des japanischen Mädchens, während einer Marokko-Reise aus Dankbarkeit dem Vater des zehnjährigen Täters geschenkt hat, weil dieser sich als guter Jagdführer erwies...


Was sind Zufälle? Weshalb ergibt sich so häufig aus positiv Gemeintem Negatives?


Mich haben die unterschiedlichen Welten beeindruckt: Die archaische Welt der Marokkaner, die Lebensfreude in der Welt der Mexikaner, die Verbitterung in der Welt der jungen Menschen Tokios, die in einem surrealen, völlig technisierten Umfeld nicht mehr fühlen, dass sie noch leben, die Welt der hochmütigen, satten Amerikaner, die die Bevölkerung armer Länder durch die Scheiben eines klimatisierten Reisbusses wie Affen im Zoo betrachten, obschon sie von diesen Menschen viel lernen könnten im Hinblick auf Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft, wie dieser wunderbare Film deutlich macht.


In "Babel" wird kaum gesprochen. Es sind die Bilder, die erzählen und nachdenklich stimmen. "Babel" macht deutlich, dass Sprache nicht notwendig ist, um seinem Nächsten, egal wo auf dieser Welt, Empathie entgegenzubringen.


Empfehlenwert.

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Rezension: Der zehnte Tag- Claude Chabrol- DVD

Sprache/Ton DE/FR
Untertitel DE
Laufzeit 103 Minuten
Bild 16:9
Region PA/2

"Der zehnte Tag" ist einer der besten Filme des von mir sehr geschätzten französischen Regisseurs Claude Chabrol. Es ist einerseits die psychologisch sehr subtile Handlung, die mich zu diesem Urteil gelangen lässt, letztlich aber auch die Begeisterung für Starbesetzung, die das Drehbuch überzeugend filmisch übersetzt.

Die Handlung beginnt in einem Hotelzimmer. Dort liegt der junge Charles (Antony Perkins) mit blutverschmierten Händen auf dem Bett. Er wirkt verwirrt, kann sich an nichts mehr erinnern und hat Angst vor sich selbst. Hat er etwas einen Menschen getötet? Weshalb sind seine Hände blutverschmiert?

Charles nimmt telefonischen Kontakt mit seinem Professor (Michel Piccoli) auf, der ihm freundschaftlich verbunden ist und bittet diesen um Hilfe. Der junge Mann ist ein begabter Kunststudent aus reichem Elternhaus, der sich leider wenig zutraut. Er bittet Paul mit ihm in das Elsass zu fahren und dort einige Tage bei seiner Familie zu verbringen, nicht zuletzt um herauszufinden, was mit ihm, Charles, nicht stimmt.

Paul lernt in der schlossähnlichen Villa im Elsass Theo van Horn (Orson Welles), den Vater von Charles und auch die aparte Stiefmutter Helene (Marléne Jobert) kennen, die, genau wie Charles, ein angenommenes Kind von Theo ist. Man erfährt, dass Charles und Helene ihre Kindheit gemeinsam auf dem Anwesen von Theo verbrachten und ihm ihre Ausbildung und ihren Lebensstandard zu verdanken haben. Später, zu einem Zeitpunkt als Helene bereits mit Theo verheiratet ist, leben sie eines Nachmittags in freier Natur ihre Liebe, die sie immer füreinander empfunden haben, auch sexuell aus.

Die beiden Gleichaltrigen finden nicht den Mut, Theo ihre Liebe zu gestehen. Sie haben Angst und ein schlechtes Gewissen dem Patriarchen gegenüber, dem sie sich zu Dank verpflichtet fühlen und geraten dadurch in einen Strudel fürchterlicher Ereignisse......

Der Patriarch erweist sich als Egomane, der seine Stiefkinder wie Marionetten benutzt. Er manipuliert die beiden für seine Eigeninteressen und ist alles andere als ein liebender Vater....ganz anders Paul. Dieser ist zu den beiden jungen Menschen tatsächlich wie ein Vater, den Charles und Helene eigentlich verdient hätten, liebevoll, ihre Fähigkeiten fördernd und sie zur Eigenverantwortung erziehend.

Orson Welles spielt die Rolle des alles dominierenden Patriarchen perfekt, dessen Großzügigkeit nur ein Mittel darstellt, andere gefügig zumachen.

Der CD-Hülle kann man biografische Infos zu Claude Chabrol und Antony Perkins nachlesen, der im Alter von 60 Jahren leider viel zu früh verstarb. Die Konfliktbeziehung zwischen Vater und Sohn mit ihrem unausgespochenen Rivalenverhalten habe ich selten so gut dargestellt gesehen wie von Welles und Perkins.

Die Bild- und Tonqualität sind bestens.
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Rezension: Night on Earth (DVD)

"Night on Earth", ein Film des Regisseurs Jim Jarmusch, erzählt 5 Episoden, die sich nachts in Los Angolos, New York, Paris, Rom und Helsinki jeweils zwischen einem Taxifahrer und den Fahrgästen zutragen. Gesprochen wird stets die Landessprache. Den deutschen Untertiteln ist nicht immer der gesamte Dialog zu entnehmen, wodurch die finnische Episode sich möglicherweise nicht jedem sofort erschließt. Jarmusch zeigt Verhaltensmuster von Menschen in ihrer ganzen Bandbreite, thematisiert Toleranz und Intoleranz, Mitgefühl und Niederträchtigkeiten. Wann ist ein Mensch ein Mensch?

Sehr schön ist die erste Episode. Hier macht eine junge Taxifahrerin, deren Lebenstraum es ist, Mechanikerin zu werden, unmissverständlich klar, dass die Filmwelt nicht der Nabel der Welt ist. Sie lehnt das lukrative Angebot ihres Fahrgastes, einer Schauspieler-Agentin (Winona Ryder) ab, als Schaupielerin Karriere zu machen. Die beiden Frauen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft zollen sich bemerkenswerten Respekt. Sehr berührend.

Ebenfalls unter die Haut geht die zweite Szene, als sich ein ehemaliger Clown aus Dresden (Armin Müller-Stahl), der sich in New York als Taxifahrer über Wasser halten möchte, von seinem Fahrgast, einem liebenswerten, etwas durchgedrehten Schwarzen, Fahrunterricht erteilen lässt, weil er selbst sein Arbeitsgerät noch nicht wirklich beherrscht. Die beiden Unbekannten mögen sich auf Anhieb und lachen miteinander. Ein gutes Beispiel, dass Fremde, die sich ohne Argwohn begegnen, gute Zeit miteinander haben können.

In Paris hat ein Taxifahrer von der Elfenbeinküste zunächst Ärger mit seinen schwarzen Fahrgäste aus der afrikanischen Oberschicht, die ihn als Underdog behandeln. Er aber ist selbstbewusst genug, ihnen die Grenzen aufzuzeigen. Ein weiterer Fahrgast in der Pariser Nacht ist eine Blinde. Hier zeigt der Schwarze seine Sensiblität und sein ganzes Feingefühl. Die Blinde allerdings ist unwirsch, weil sie offenbar Panik davor hat, als Behinderte bemitleidet zu werden. So entstehen Missverständnisse. Angst ist oft die Ursache für Kommunikationsblockaden.

Die Episode in Rom fand ich skuril. Der Taxifahrer beichtet seinem Fahrgast- einem Priester, ohne das dieser ihm die Beichte abnehmen will, dass er Sex mit einem Schaf, auch mit Kürbissen hatte. Der Priester bekommt im Taxi einen Herzinfarkt, allerdings nicht wegen des Gehörten, sondern weil seine Herztabletten zu Boden fielen und der monologisierende Taxifahrer nicht Anteil nahm an den letzten röchelnden Minuten des Priesters.....

In Helsinki schließlich fehlt einem Taxifahrer das Mitgefühl zu einem seiner Fahrgäste völlig. Auch dieser Taxifahrer ist zu sehr mit sich beschäftigt, als dass er sehen könnte, was mit seinem Nächsten geschieht. Betrunken fällt dieser beim Ausstieg auf die verschneite Straße und wird sich selbst überlassen. Die Passanten gehen an dem Betrunkenen vorüber. Keinen interessiert, ob er erfriert.

Wann ist ein Mensch ein Mensch? Der Clown und sein Fahrgast aber auch die beiden Frauen in der ersten Episode und der Taxifahrer von der Elfenbeinküste besitzen Mitgefühl und die Bereitschaft das Gegenüber zu respektieren. Dies ist der Grund, weshalb man von solchen Charakteren berührt wird. Sie sind Hoffnungsträger.
Die schauspielerische Leistung der Protagonisten ist hervorragend und das gilt für alle gleichermaßen.

Die Bild- und Tonqualität sind o.k.
Das rezensierte Produkt ist überall im Handel erhältlich.



Rezension: Blutige Hochzeit

Sprachen/Ton:

DE/FR
Untertitel:
DE
Laufzeit:
96 Minuten
Bild 4:3
Region Pal/2


Dieser Film des jüngst verstorbenen begnadeten französischen Regisseurs Claude Chabrol aus dem Jahre 1972 befasst sich mit der fatalen Liebesgeschichte zwischen Pierre Maury (Michel Piccoli) und Lucienne (Stéphane Audran).

Lucienne ist die Ehefrau des Kleinstadtbürgermeisters Paul (Claude Piépu), der sie einst trotz eines unehelichen Kindes von einem anderen Mann, geheiratet hat. Zwischen Paul und Lucienne scheint es keine intimen Beziehungen mehr zu geben. Paul ist ausschließlich an seiner Karriere und an den materiellen Vorteilen, die ihm sein Amt bringen, interessiert.


Lucienne geht mit dem verheirateten Paul eine sexuelle Beziehung ein. Paul ist ähnlich wie sie sexuell ausgehungert, denn seine Ehefrau ist hochgradig depressiv und hat sich dem Leben schon lange abgewandt.


Pierre entscheidet sich, seine Frau zu ermorden, damit er und seine Geliebte ein ungestörtes Liebesnest haben können. Als Paul dahinterkommt, dass seine Frau fremd geht, willigt er in diesen Zustand ein und redet mit Lucienne und Pierre offen darüber.


Die beiden Ehebrecher fühlen sich ertappt und ermorden aus Scham den im Grunde sehr großzügigen Paul....

Wie diese Geschichte weitergeht, will ich nicht verraten. Interessant finde ich, dass Lucienne und Pierre, die beiden Angehörigen der Kleinstadtoberschicht, keinen anderen Ausweg für ihre Liebe sehen, als die Ermordung ihrer Ehepartner. Furcht vor Neuanfängen führt nicht selten in ausweglos erscheinende Situationen. Wie weit diese gehen können, zeigt die Filmhandlung sehr gut.

Die DVD-Hülle kann man u.a. Informationen u.a. zu Chabrol entnehmen, auch zwei Kurzkritiken, ein Einzeiler der "Zeit" und einen anderer Einzeiler aus dem "Lexikon des internationalen Films" sind nachlesbar. Dort wird kurz erwähnt, dass der Streifen scharfe Kritik an den gaullistischen Rechtstendenzen nimmt. Aus heutiger Sicht finde ich diese Beschreibung reichlich übertrieben. Der politische Hintergrund bleibt eher Beiwerk, der Fokus liegt eindeutig auf den Abgründen zweier Liebender. Der Philosoph Friedrich Nietzsche sagte einst: "Was aus Liebe getan wird, geschieht immer jenseits von Gut und Böse." Das mag sein. Dennoch exkulpiert es Täter, die aus Liebe Straftaten begehen, nicht und zwar zu Recht.


Sehr gute schauspielerische Leistungen, intelligente, spannende Dialoge. Die Bild und Tonqualität sind bestens.


Empfehlenswert.
Das besprochene Produkt ist überall im Handel erhältlich.





Rezension: Vor Einbruch der Nacht- Claude Chabrol

Dieser pychologisch subtil gestaltete Film des Regisseurs Claude Chabrol stammt aus dem Jahre 1971.

Sprachen/ Ton : DE/FR- Dolby Digital 2.0
Untertitel: DE
Laufzeit: 106 Minuten
Bild: 16:9
Region: Pal/2

Wie sooft befasst sich Chabrol auch in diesem Film mit den widersprüchlichen Moralvorstellungen des gehobenen Bürgertums in Frankreich.
Der Film beginnt mit einer Szene, in der eine nackte, sich auf dem Bett räkelnde Schöne einen ziemlich spießig aussehenden Mann in den mittleren Jahren auffordert mit ihr sado-masochistische Sexspiele zu betreiben. Bei den beiden Personen handelt es sich um den Pariser Publicity-Manager Charles Masson (Michel Bouquet) und um Laura, die Frau seines besten Freundes Francois (Francois Périer).

Laura fordert Charles auf, sie zu erdrosseln. Sie bittet ihn immer wieder, verführt ihn zur Tat. Schon in dieser kleinen Sequenz wird klar, dass Charles ein schwacher Mann ist, der sich dem Willen der vermeintlichen Masochistin unterwirft und ihr tatsächlich auch die Kehle zudrückt.
Vom Augenblick der Tat an plagt ihn das Gewissen. Er spricht mit seinem Freund und seiner Frau und gesteht die Tat. Er möchte seine Schuld sühnen, doch seine bodenständige Frau (Stéphane Audran) und sein Freund raten ihm davon ab. Sie erinnern ihn an seine Verantwortung für Frau und Kinder. Er soll sie durch einen Skandal nicht ins Unglück ziehen.

Als Charles sich dennoch entschließt zur Polizei zu gehen, weil er zu schwach ist, seine Schuld zu tragen und von ihr durch staatliche Strafmaßnahmen erlöst werden möchte, entschließt sich seine Frau dem Spuk ein Ende zu setzen.....

Ein großartiger Film, der die Schwäche eines Mannes aufzeigt, der sich seiner Mutter, seiner Frau und seiner Geliebten bedingungslos unterworfen hat und im Grunde der eigentliche Masochist ist.

Die Hülle der DVD enthält u.a. eine Kurzbiographie von Claude Chabrol und zwei Kurzkritiken zum Film. TV Spielfilm schreibt "Einer der besten von Chabrols Krimis" und das Lexikon des internationalen Films meint "Ein gelegentlich etwas konstruierter, aber mit psychologischer Finesse inszenierter Film, der eindrucksvoll zerstörerische Aspekte einer nur halb vollzogenen Emanzipation von von bürgerlich-christlichen Moralvorstellungen behandelt."

Die Ton- und Bildqualität sind bestens, die schauspielerische Leistung der Hauptakteure ebenfalls.

Rezension: Claude Chabrol- Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen.

Der vorliegende Film stammt aus dem Jahr 1974. Es handelt sich um ein Werk des Regisseurs Claude Chabrol.

Sprachen/Ton: DE/FR, Dolby Digital 2.0
Untertitel: DE
Laufzeit:121 Minuten
Bild: 16:9
Region: PAL/2

Die Filmhandlung beginnt mit einer Szene, in der sich schöne Julie (Romy Schneider) nackt im Garten des Anwesens ihres wesentlich älteren, wohlhabenden Gatten Louis (Rod Steiger) sonnt. Das Anwesen befindet sich in St. Tropez. In diesem Moment nimmt die Affaire zwischen Julie und dem jungen, mittellosen Nichtstuer Jeff Marle (Paolo Giusti) seinen Anfang.

Schon in der zweiten Szene wird klar, dass Louis Alkoholiker und wenig später, dass er impotent ist. Louis liebt seine Frau abgöttisch. Sie ist von seiner Trinksucht, wohl aber nicht von seinem Geld angewidert. Julie verläßt Louis nicht, weil sie finanziell von ihm abhängig ist und plant mit Jeff ihren Gatten zu ermorden.

Die Dinge entwickeln sich anders als erwartet....

Der Film besticht durch sein subtil psychologisch angelegtes Drehbuch, seine intelligenten Dialoge, die hervorragenden schauspielerischen Leistungen, vor allem von Romy Schneider und Rod Steiger, aber auch von Henri Attal, der einen Polizeibeamten mimt und von dem Richter Hans Christian Blech. Natürlich werden Klischees bedient. Das sehe ich jedoch nicht als Kritikpunkt.

Die Bilder von Saint Tropez und der Landschaft in der Gegend des alten Fischerdorfes haben mich beeindruckt. Wie idyllisch dort alles noch war zu Beginn der 70er Jahre!

Der DVD -Hülle sind bemerkenswerte Infos zum Regisseur und zur Vita Romy Schneiders sowie zwei Kurzkritiken zu entnehmen. Das Erste interpretiert Julie als eine Frau, die zwischen zwei mehr oder minder unsympathischen Männern völlig isoliert ist. So sehe ich das nicht. Julie ist in erster Linie vorteilsdenkend. Das sie nach meiner Meinung bis zum Schluss. Sie gehört dem Typ Frauen an, die sich stets dort hin orientieren, wo sie am meisten zu erwarten haben, materiell oder emotional, also zu den Vampiren, die nicht nur unbedarfte Männer aufs Glatteis führen. Mitunter finden die Damen ihren Meister. Jeff ist das Pendat zu Julie.

Ein toller Film.


Rezension: Das Bildnis des Dorian Gray

"Das Bildnis des Dorian Gray" ist die Literaturverfilmung des von mir rezensierten gleichnamigen Romans. Vor vielen Jahren sah ich eine Verfilmung mit Helmut Berger in der Hauptrolle, die bei Weitem nicht die Qualität des vorliegenden Films hatte.
Die Handlung möchte ich an dieser Stelle nicht breitgefächert wiedergeben, weil sie ohnehin jeder kennt. Der junge, sehr schöne Dorian Gray (Ben Barnes) wird von dem Maler Basil gemalt, verliebt sich in sein Konterfei und wünscht sich, dass das Bild statt seiner altern möge. Anfangs noch unschuldig und positiv in seinem Wesen, wird er aufgrund seines älteren Freundes Henry (eine Art Mephisto), dazu bewegt, jeden Moment egoistisch auszuleben, kein Mitleid mit Dritten zu haben und in jeder Beziehung dem Hedonismus zu frönen. Sein ausschweifendes Leben zeigt sich im Verfall des Bildes, das der eitle Dorian immer weniger ertragen kann...


Sehr gut finde ich die Einblenden aus Dorians Kindheit. Er wurde von seinem Großvater verprügelt und gedemütigt und genau diese Demütigungen gibt er weiter, nachdem Henry ihn dazu gebracht hat, sich nicht an gesellschaftlichen Regeln zu halten. Dorian benutzt Frauen und Männer für seine Zwecke. Sexuell scheint er sadistischen Handlungen nicht abgeneigt zu sein, wie man in kurzen Filmsequenzen sieht. Dorian ist offensichtlich liebensunfähig. Das wird immer offensichtlicher, je ausschweifender sein Leben ist.


Alle Menschen um ihn herum altern, nur er bleibt äußerlich immer jung und schön, fühlt aber täglich seine geradezu verfaulte Seele intensiver und sehnt sich nach einem Neuanfang, den es für ihn bekanntermaßen nicht geben wird.


Gefallen hat mir, dass man viele espritvolle Sentenzen Oscar Wildes in die Dialoge eingebaut hat und im Film-Interieur der Belle Epoche treu geblieben ist, was bei der Verfilmung mit Berger, so weit ich mich entsinne, nicht der Fall war. Ben Barnes verkörpert die Person Dorian Grays glaubhafter als Berger, weil er die Aura von Unschuld besser nach außen zu bringen vermag. Barnes scheint sie noch zu besitzen, Berger war bereits zu verdorben und eigentlich ungeeignet für die Rolle.


Es ist nicht einfach, Wildes Stoff zu verfilmen, weil die Filmhandlung teilweise surreal und eigentlich eine Handlung für das Kopfkino ist. Erstaunlicherweise ist die filmische Umsetzung aber gut gelungen. Wilde hätte sich gewiss gefreut.


Mich begeistert an der Thematik immer wieder das Phänomen Eitelkeit, das Wilde herrvoragend herausgearbeitet hat und im Film auch sehr gut dargestellt wird. Was macht übersteigerte Selbstverliebtheit mit Menschen? Vermögen solche Personen außer ihrem Spiegelbild tatsächlich nichts Drittes wahrzunehmen? Fast scheint es so. Was macht ewige Schönheit und Jugend mit einem Menschen? Muss ein Mensch, der im Jungbrunnen erfolgreich gebadet hat, zwingend zu einem Monster mutieren? Oder mutiert er nur dann, wenn ein Dritter ihn auf Abwege führt? Wodurch verliert ein Mensch seine Unschuld? Durch charakterlische Deformationen oder durch das abgründige Geflüster einer Schlange.


Die Bild- und Tonqualität haben mich zufrieden gestellt.

Rezension:Gruppenbild mit Dame (DVD)

Der 1977 gedrehte Film "Gruppenbild mit Dame" des Regisseurs Aleksander Petrovic beruht inhaltlich auf dem gleichnamigen Roman von Heinrich Böll, allerdings wurde nicht die gesamte Romanhandlung verfilmt.
Die Verfilmung geschah in Absprache mit Böll. Offensichtlich wollte der Schriftsteller das Augenmerk auf bestimmte Facetten des Buches gerichtet wissen.

Thematisiert wird die Liebesgeschichte zwischen Leni (Romy Schneider) und Boris (Brad Dourif), einer christlich orientierten Deutschen und einem gebildeten russischen Kriegsgefangenen während des 2. Weltkriegs, der Gedichte von Georg Trakel rezitiert.

Die beiden lernen sich in einer Gärtnerei kennen und binden dort Kränze für die vielen Toten. Sie reden kaum miteinander. Ihre Sprache sind die Blicke. Liebe bedarf keiner Worte.

Gezeigt wird, wie die einzelnen Angestellten der Gärtnerei mit dem Russen umgehen.

Ideologisch verblendete Mitarbeiter reagieren feindselig. Man verwehrt Boris den Zugang zum Luftschutzbunker, wenn die Bomben fallen und missgönnt ihm sogar einen Schluck Kaffee. Gleichwohl gibt es auch Personen, die sich christlich verhalten, zu ihnen gehören Leni und auch der Besitzer der Gärtnerei (Michel Galabru), der die Liebesbeziehung duldet. Leni wird schwanger, rettet Boris mittels gefälschter Papiere durch den Krieg, aber er wird die Kriegsgefangenschaft nicht überstehen....

Angesprochenen wird, wie einige Menschen aus der Not ihrer Nächsten materiellen Gewinn zu schlagen versuchen und was generell geschehen kann, wenn man den menschlichen Abgründen keinen Einhalt gebietet. Persönlichkeitsdefizite scheinen immer die eigentliche Ursache für unmenschliches Verhalten zu sein. Ideologie alleine greift nicht.

Lässt man Personen mit solchen Defiziten freien Aktions-Raum beginnen sie in der Regel Unheil anzurichten. Die Nazi-Zeit bot diesbezüglich eine breite Plattform. Dies wird im Film anhand von zahllosen Einzelbeispielen gezeigt. Auch bloßes Mitläufertum und blinder Gehorsam bleiben als Thema nicht ausgespart.

Sehr gut dargestellt sind die Szenen im Bunker bei Bombenhagel: die Angst, das Zittern, das Beten und als letzte, fast beruhigende Handlung der Koitus - nicht zwischen Leni und Boris- sondern zwischen einem Soldaten und einer durch die Bombeneinschläge völlig verängstigten Frau. Die beiden haben sich zuvor nie gesehen. Auch im Moment der körperlichen Vereinigung wechseln sie kein Wort miteinander. Der Beischlaf als Ausdruck des absoluten Hinwendens zum Leben und zur Liebe....ein Bild von hohem Aussagewert.

Wie reagieren Menschen, wenn ihnen der Tod droht? Boris reagierte gelassen und wohlüberlegt, vielleicht weil er mit seinem Leben bereits abgeschlossen hatte.

Die unterschiedlichen Gesten verschämter Liebe, die den ganzen Film durchziehen, hatten im jenem Reich des Bösen keinen Platz. Das dokumentiert die ganze Monstrosität der Hitler-Zeit.

Empfehlenswert.


Rezension:Hälfte des Lebens, 1 DVD (DVD)

Der vorliegende wunderschöne, dabei aber sehr traurige Film, der 1984 noch zu DDR-Zeiten gedreht wurde, thematisiert die Liebe des Dichters Friedrich Hölderlin (Ulrich Mühe) zu der Bankiersgattin Susette Gontard (Jenny Gröllmann).
Hölderlin wird 1796 Hauslehrer im Hause Gontard in Frankfurt. Den Gesprächen entnimmt man, dass er zwei Jahre zuvor die Universität in Jena besuchte und dort Fichtes Vorlesungen hörte. In Jena lernt er auch Isaac von Sinclair kennen, mit dem er anschließend gemeinsam ein Gartenhäuschen bewohnte. Aufgrund der politischen Lage verließ Hölderlin 1795 die Universitätsstadt.


Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, unterrichtet er die Kinder des Bankiers Gontard.


Der Film zeigt wie sich die Liebe zwischen Hölderlin und Susette entwickelt. Susette war übrigens das Modell für die Diotima seines Briefromans "Hyperion".


Susette interessiert sich sehr für Hölderlin Schaffen, hört ihm zu und führt mit ihm geistvolle Dialoge. Die beiden kommen sich durch die gedankliche Nähe auch in ihren Empfindungen und schließlich sogar körperlich sehr nahe. Zwischen ihnen entsteht eine große, leidenschaftliche Liebe voller Innigkeit.


Hölderlin berichtet Susette, in der er eine aufmerksame Zuhörerin hat, von Platons Kugelmenschen und dem Inhalt seines "Hyperion". Susette weiß, dass Hölderlin ihre wahre zweite Hälfte ist.


Immer wieder unterhalten sich die beiden über die Antike, während sich beider Liebe und Begierde in ihren Augen spiegelt.


Als die Franzosen vor Frankfurt stehen, schickt der Bankier seine Frau mit seinen Kindern nebst Hauslehrer nach Hamburg. In jenen Wochen wird das Band der beiden immer enger. Sie können voneinander nicht mehr lassen.


Nachdem die Familie wieder nach Frankfurt zurückgekehrt ist, bemerkt Gontard die Veränderung seiner Frau und beginnt Hölderlin zu demütigen. Hölderlin flüchtet nach Bad Homburg zu seinem Freund Sinclair.


Wie in allen wirklich großen Lieben bleiben durch die ungewollte Trennung zwei gebrochene Menschen zurück.....


In Gesprächen mit Sinclair sind der deutsche Idealismus, die Ideale der Französischen Revolution und deren Verrat durch Gewinnsüchtige die entscheidenden Themen.


Hölderlin leidet an der Zeit, in der er lebt aber schwermütig macht ihn einzig die Trennung von Susette.....


Geistvolle Dialoge und sehr ansprechende Innen- und Außenaufnahmen wirken beeindruckend auf den Zuhörer und Betrachter.

Die Schauspieler spielen ihre Rollen exzellent. Ulrich Mühe ist großartig in der Rolle Hölderlins. Er strahlt genau das Feinnervige und Edle aus, das Hölderlins Dichtung durchdringt und letztlich auch das hochsensible Wesen dieses großen Dichters ausmachte.




Rezension: Jenseits von Afrika

Der Film „Jenseits von Afrika“ beruht auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Karen Blixen. Regisseur ist der von mir sehr geschätzte Sydney Pollack. Handlungsorte sind Dänemark und Kenia. Die Handlungszeit erstreckt sich auf den Zeitraum von 1913-1931.

Der Film beginnt mit einer Szene auf einem Sommerfest in Dänemark. Karen (Meryl Streep) wurde gerade von ihrem Geliebten verlassen und unterhält sich mit ihrem besten Freund Baron Bror von Blixen – Finecke (Klaus Maria Brandauer)- er ist der Bruder ihres Geliebten - über diesen Umstand. Karen kommt aus sehr wohlhabendem, allerdings nicht adeligem Hause. Ihr Freund Bror ist adelig, aber gänzlich verarmt, weil er ein Lebemann ist. Karen bietet ihm die Ehe mit ihr an, um nicht als sitzengelassenes Mädchen zu gelten. Sie macht ihrem Freund klar, dass beide einen Vorteil von der Eheschließung haben werden. Der charmante, leicht ironische Blixen sagt zu und willigt auch ein, mit Karen gemeinsam in Afrika zu leben.


In Afrika möchte Karen eine Molkerei eröffnen, doch als sie dort ankommt, hat Blixen das dafür vorgesehene Geld in Kaffeepflanzen investiert. Auf dem Weg zu ihrem neuen Zuhause lernt sie den Großwildjäger Denys Finch Hatton (Robert Redford) kennen, der in ihrem späteren Leben eine wichtige Rolle spielen wird. Denys und Karen mögen sich auf Anhieb.


Karen ist mit ihrem gesamten Hausstand nach Kenia gereist, ihrem kostbaren Silber und Porzellan, ihren dänischen Möbeln und der Art von Gemütlichkeit, die fast ein wenig unpassend in der neuen Umgebung wirkt. Wie unnötig all die Habe ist, bemerkt Karen erst viel später.


Ihr erster Eindruck in Afrika ist ein eher ärgerlicher: ihr wird der Zugang in einem europäischen Club verwehrt als sie nach Blixen sucht. Die kolonialen Strukturen lassen ein Frauenbild, wie es Karen in Afrika leben wird, nicht zu. Sie heiratet in Kenia ihren Freund Bror, der nicht daran denkt, ihr beim Aufbau der Plantage zu helfen, sondern stattdessen auf Großwildjagd geht und sich des Weiteren als Schürzenjäger auslebt.


Zwischenzeitlich kümmert sich Karen um den Aufbau der Kaffeeplantage. Denys, von dem sie weiß, dass er ebenso gerne wie sie liest und dessen Freund besuchen sie in ihrer dänischen Idylle im kenianischen Hochland. Sie verbringen einen Abend dort und erzählen einander hübsche, fantasievolle Geschichten. Zwischen Karen und Denys funkt es, aber Karen verbirgt zunächst ihre Gefühle, weil sie ihrem Mann eine treue Ehefrau sein möchte.


Als Karen an Syphilis erkrankt- sie hat sich bei ihrem Ehemann infiziert -und für lange Zeit zur Behandlung nach Dänemark zurückkehrt, trennt sie sich innerlich von Blixen und vollzieht, nach Kenia zurückgekehrt, auch die Trennung von Tisch und Bett. Geschieden werden die beiden erst viel später auf Wunsch von Blixen als er eine andere reiche Frau kennengelernt hat.


Nun beginnt die Liebesgeschichte zwischen Karen und dem freiheitsliebenden Denys, der diese Frau immer als gleichberechtigte Partnerin betrachtet. Er nimmt sie mit auf Safari und zeigt ihr die Schönheit des Landes.


Denys ist sehr weise, ein guter Beobachter, der ihr auch von den Massai berichtet und der Mentalität der schwarzen Kenianer, aus denen man keine Europäer machen sollte, wie er der festen Überzeugung ist.


Karen schafft es, ein gutes Einvernehmen zu einem Häuptling herzustellen, dessen Untertanen ihr beim Aufbau der Kaffeeplantage helfen. Sie bringt den alten Häuptling sogar dazu, zu akzeptieren, dass die schwarzen Kinder eine von ihr gegründete Schule besuchen. Man erlebt immer wieder den Wechsel von harter Arbeit und den Besuchen von Denys, mit dem sie mittels einem von ihm geschenkten Grammophon gemeinsam Mozart hört und eine Form von Liebe lebt, die mich immer wieder zu Tränen rührt.


Natürlich weint man auch mit Karen als nach einer besonders guten Ernte, diese durch ein Feuer zerstört wird und dies das Ende für sie in Afrika bedeutet. Dass ihr geliebter Denys dann auch noch durch einen Flugzeugabsturz ums Leben kommt, lässt den Gedanken aufkommen, dass auf dieser Frau ein Fluch liegt……


Diesen Film habe ich schon sehr oft gesehen. Er ist einer meiner Lieblingsfilme. Ich mag die schönen Aufnahmen von der kenianischen Landschaft, die gehaltvollen Dialoge, die exzellenten schauspielerischen Leistungen aller Darsteller, die gesamte Poesie des Films, die in Bildern und Worten zu Ausdruck kommt und die Liebesgeschichte zwischen Karen und Denys, die für mich zu den großen Liebespaaren der Literatur- und Filmgeschichte zählen.


Rezension: Homo Faber

"Homer Faber" ist einer Literaturverfilmung des gleichnamigen Romans von Max Frisch. Diesen Roman habe ich als 18 jährige gelesen und kann mich nur noch vage an den Inhalt erinnern. Deshalb auch ist mir ein Vergleich zwischen Buch und Film nicht möglich.

Der Regisseur Volker Schlöndorff hat einen beeidruckenden Film gedreht, der das Niveau einer griechischen Tragödie besitzt. Der 50 jährige Ingenieur Walter Faber (Sam Shepard) lernt in einer Wartehalle eines kleinen Flughafens den Bruder seines alten Studienfreundes kennen. Zunächst weiß er nicht, dass es der Bruder seines alten Freundes Joachim ist, doch dieser Mann bewirkt, dass bei Faber verdrängte Erinnerungen spontan aufsteigen, die er nicht zulassen möchte. Dies hat zur Folge, dass ihm schwindelig wird und er fast sein Flugzeug verpasst.


Während des Flugs lernt man Faber als einen kühlen Technokraten kennen, der, solange er gedanklich die Kontrolle behält, vor nichts Angst hat, noch nicht einmal vor einem Flugzeugabsturz, der sich wenige Minuten später ereignet. Faber irritieren Zufälle, alles, was er nicht einschätzen kann.


Jetzt lernen sich Faber und der Bruder des alten Freundes ein wenig kennen und Walter erfährt, was sich 20 Jahre zuvor ereignet hat. In Filmrückblenden erlebt man Faber mit seiner Jugendliebe - der Jüdin Hanna- in der Schweiz. Beide studieren dort. Hanna wird schwanger, aber Faber, der Hanna (Barbara Sukowa) zwar sehr liebt, reagiert indifferent als er von der Schwangerschaft erfährt. Gerade sein Studium beendet habend, hat er einen interessanten Job in Übersee angeboten bekommen und antwortet halbherzig, etwa sinngemäß, dass er sie natürlich heiraten und "ihr" Kind versorgen werde, aber man auch an einen Schwangerschaftsabbruch denken könnte. Diese Antwort kränkt Hanna so sehr, dass sie sich von Walter trennt und den Medizinstudenten Joachim heiratet.

Damals verschwand Hanna aus dem Leben Fabers. Er ging nach New York und war beruflich weltweit unterwegs. Nach dem glimpflich ablaufenden Flugzeugabsturz schickt er sich an, mit Joachims Bruder den alten Studienfreund zu besuchen. In Venezuela angekommen, findet er diesen allerdings erhängt vor. Er erfährt, dass Joachim und Hanna schon lange geschieden sind, aber ein gemeinsames Kind aus der Ehe hervorgegangen sei.

Zurückgekehrt nach New York ist Faber von den Ereignissen so aufgewühlt, dass er vorzeitig nach Paris zu einem Kongress reist und zwar mit einem Schiff, um sich dem Beisammensein mit seiner derzeitigen Geliebten zu entziehen.
Auf dem Schiff lernt er ein junges Mädchen kennen, in das er sich spontan verliebt und dem er sofort einen Heiratsantrag macht. Normalerweise hält es Faber nicht länger als 5 Tage mit einer Frau aus, aber Sabeth (Julie Delpy) erinnert ihn an seine geliebte Hanna. Bei dem altersungleichen Paar stimmt die Chemie. Sie verbringen schöne Tage in Paris, reisen durch Italien, um schließlich in Griechenland Sabeths Mutter zu besuchen. Als Faber erfährt, dass es sich bei Sabeths Mutter, um seine alte Liebe Hanna handelt, schwant ihm Arges. Er bricht sofort das sexuelle Verhältnis mit dem daraufhin verstörten Mädchen Sabeth ab.....


Doch zu diesem Zeitpunkt haben sich die Götter bereits gegen Hanna und Walter verschworen und strafen sie, indem sie ihnen das geliebte Kind für immer nehmen... So jedenfalls interpretiere ich das Ende der Tragödie, das ich nicht näher ausführen möchte, um die Spannung nicht zu nehmen.


Die Schauspieler spielen ihre Rollen exzellent. Das Sprachniveau ist atmenberaubend, geradezu ungewöhnlich für einen Film. Die Bilder veranlassen zum Träumen. Das gesamte Geschehen wirkt surreal.


Wie geht man mit einem nicht beabsichtigten Inzest mental um? Wie groß ist das Leid der Beteiligten? Ich bezweifle, dass man ein solches Geschehen verarbeiten kann, weder Vater noch Tochter.


Ein beeindruckender Film.



Rezension: Nordwand

Die Handlung dieses packenden Films von Philipp Stölzl spielt im Olympia-Jahr 1936. Bislang hat noch hat keiner die Eiger-Nordwand bezwungen, noch gab es dort ein Gipfelkreuz.

Die Nazis möchten anlässlich der Olympiade neue Helden für ihren germanischen Heldenmythos vorzeigen. Deutsche Bezwinger der Eiger-Nordwand kämen ihnen dabei sehr zupass.

Die Berchtesgadener Fotojournalistin Luise (Johanna Wokalek), die in Berlin arbeitet, versucht zwei Jugendfreunde für das Unternehmen zu gewinnen. Toni (Benno Fürmann) und Andi sind gute Bergsteiger, die das Können besitzen, sich auf das Wagnis einzulassen.

Toni, der Nachdenkliche von beiden, lehnt zunächst ab. Er weiß um die schnellen Wetterveränderungen an der Nordwand, weiß, dass man dort nicht alles voraus berechnen kann. Toni besteigt Berge nicht des Ruhmes und der Ehre wegen, sondern einzig zu seinem Vergnügen. Andi, weniger überlegend sowie überaus übermütig und an dem olympischen Gold als auch am gesellschaftlichen Aufstieg sehr interessiert, überredet seinen Freund mit ihm in die Schweiz zu fahren.

Mit dem Fahrrad reisen die beiden von Berchtesgaden ins Berner Oberland. Dort treffen sie auf zwei österreichische Bergsteiger, die ebenfalls von einer Goldmedaille träumen. Luise und ihr älterer Reporterkollege Arau (Ulrich Tukur) sind auch schon da. Sie leben in einem Luxushotel am Fuße der Eiger-Nordwand und wollen über das Spektakel am Berg berichten.

Philipp Stölzl zeigt in seinen Bildern die Mächtigkeit des Berges, und man wundert sich, wie ein vernünftiger Mensch sich einer solchen Gefahr freiwillig aussetzen kann. Die Kamera geht nah heran, zeigt, wie anstrengend eine solche Bergbesteigung ist und welche Unbill die Gipfelstürmer erwarten. Steinschläge, Lawinen und anderes mehr machen ein solches Unternehmen zu keinem Spaziergang. Wird das Unternehmen glücken oder werden die Beteiligten sterben müssen?

Ein beeindruckender Film. Empfehlenswert.







Rezension:Der Beweis - Liebe zwischen Genie und Wahnsinn (DVD)

Catherine (Gwynet Paltrow), die Tochter eines Mathematik-Professors (Sir Anthony Hopkins) mit offenbar genialen Fähigkeiten, hat ihren Vater in seinen letzten Lebensjahren betreut. Ihr Vater litt unter Demenz.
Die 27 jährige Frau mit ebenfalls großer mathematischer Begabung vernachlässigt wegen der Betreuung ihres Vaters ihr Studium und ist aufgrund ihrer unerfreulichen Erfahrungen in den zurückliegenden Jahren ziemlich depressiv und unleidlich.

Hal, ein junger Mathematiker, der ihren soeben gerade verstorbenen Vater sehr verehrt, versucht emotionalen Zugang zu Catherine zu finden, doch die junge Frau wirkt sehr verstört. Sie führt fiktive Dialoge mit ihrem toten Vater und bekundet bei einer Rede anlässlich der Trauerfeier in der Kirche spontan ihren tiefen Groll gegenüber diesem Übervater. Die letzten Monate scheinen Catherine überfordert zu haben. Hal möchte eruieren, ob Catherines Vater, der während des Zustandes geistiger Umnachtung immer wieder lichte Momente hatte, in dieser Zeit noch brauchbare wissenschaftlich Notizen angefertigt hat und erhält von Catherine Unterlagen über mathematische Beweise, die spektakulär sind. Catherine behauptet plötzlich die Aufzeichnungen sind von ihr.


Ihre ältere Schwester bezweifelt dies ebenso wie zunächst Hall. Will Catherine auf Kosten Ihres Vaters Karriere machen oder ist sie verwirrt? Wie weit liegen Genie und Wahnsinn voneinander entfernt?
Catherines ältere Schwester verkauft das Haus der Familie unmittelbar nach der Beerdigung und bewegt Catherine dazu mit ihr nach New York zu gehen, um Abstand zu gewinnen. Schafft es Catherine sich von allen zu emanzipieren und ihren eigenen Weg zu gehen? Gelingt es ihr sich mental von ihrem toten Vater abzunabeln und zu zeigen, dass sie ebenfalls soviel drauf hat wie er?

Ein nicht uninteressanter Film über eine komplizierte Vater-Tochter-Beziehung, mit glänzenden schauspielerischen Leistungen, insbesondere von Sir Anthony Hopkins. Die Dialoge sind dem Sujet angemessen niveauvoll. Der Regisseur John Madden hat einen empfehlenswerten Film gedreht, der aufzeigt, dass übliche Vater -Sohn - Probleme auch in Vater-Tochter-Verbindungen auftreten können, dort aber ganz offensichtlich noch komplizierter aufzulösen sind.

Rezension:Die Herzogin (DVD)

"Die Herzogin" spielt circa 130 Jahre vor dem von mir rezensierten Film "Effi Briest". Beide Filme haben das gleiche Thema: die Probleme einer standesbedingten "Vernunftehe".

Die Handlungszeit ist also das Rokokozeitalter. Handlungsort ist England. Die 16 jährige, bildhübsche Protagonistin Georgiana Spencer (Keira Knightley) wird auf Betreiben ihrer Mutter (Charlotte Rampling) an den wesentlich älteren, wenig sympathischen Herzog Devonshire verheiratet. Georgiana ist zunächst von ihrem Titel und ihrer gesellschaftlichen Stellung beeindruckt, aber sie findet ihren Gatten sehr rasch unerträglich. Er ist ein Kauz, der lieber mit seinen Hunden spricht als mit ihr.
Zärtlichkeit gegenüber seiner Frau kennt er nicht. Im Bett finden Zeugungsakte statt. Der Herzog möchte einen männlichen Nachfolger. Deshalb hat er geheiratet. Georgiana bringt allerdings zunächst 3 Töchter zur Welt, wofür Devonshire sie verachtet.


Zunächst akzeptiert die junge Herzogin die Beischlafsverhältnisse ihres Mannes - es bleibt ihr ja auch nichts anderes übrig - protestiert aber als er mit ihrer besten Freundin eine Affäre beginnt, in die diese einwilligt, weil es die einzige Chance ist ihre Söhne wiederzusehen, aufgrund der weitreichenden Macht des Herzogs...

Georgiana lebt mit der Mätresse ihres Mannes unter einem Dach. Man speist zu dritt am Tisch. Die Situation ist demütigend für beide Frauen. An besagtem Tisch macht Georgiana schließlich ihrem Gatten den Vorschlag sich ebenfalls einen Geliebten zuzulegen. Ihr Augenmerk gilt einem jungen Politiker. Der Herzog allerdings ist nicht bereit einen solchen Deal zu akzeptieren...

Die adlige Frau im Rokoko in England glich zwar rein äußerlich den Aristokratinnen in Frankreich, aber sie genoss keineswegs die sexuelle Freizügigkeit der Damen am Hofe von Versaille. Das macht der Streifen deutlich.

Mir hat dieser Film sowohl inhaltlich als auch von der Ausstattung und den Kostümen her gefallen. Er skizziert sehr sensibel Verhaltensmuster in einer Epoche, an deren Ende große Veränderungen in Europa und Amerika anstanden.


Rezension: Claude Chabrol: Der Riss

Vor einigen Tagen ist der Pariser Regisseur Claude Chabrol verstorben. Er war bekannt dafür, dass er die französische Bourgeoisie kritisierte und genau das auch geschieht in seinem hier vorliegenden, hervorragenden Werk.

Die Handlung nimmt ihren Anfang in einer Pariser Vorstadtwohnung. Dort versucht in der ersten Szene ein geisteskrank erscheinender Mann, wie man später erfährt heißt er Charles Règnier (Jean-Claude Drouot), die schöne Hélène (Stèphane Audran), es ist seine Ehefrau, im Wahn zu erdrosseln. Als sie sich wehrt, greift er sich den gemeinsamen kleinen Sohn und schleudert ihn wie von Sinnen durch die Luft. Das Kind schlägt mit dem Kopf auf dem Boden auf. Hélène greift eine Bratpfanne und bringt ihren verrückten Ehemann damit zu Fall. Der Szene ging kein Streit voraus. Charles ist, wie man wenig später erfährt, drogensüchtig und hat aufgrund dessen geistige Aussetzer.

Gottlob hat der Sohn keine schwere Kopfverletzung davon getragen. Im Krankenhaus muss er bleiben, weil er sein Bein gebrochen hat. Die fürsorgliche Hélène mietet sich in eine sehr kostengünstige Privatpension in der Nähe des Krankenhauses ein, um ihr Kind möglichst oft besuchen zu können. Sie hat kaum Geld und das, obschon ihre Schwiegereltern steinreich sind.

Von ihrem Mann, den sie immer noch liebt und den sie stets vor seinen Eltern beschützen wollte, möchte sie sich nachdem, was geschehen ist, scheiden lassen, um ihr Kind vor seinen Tobsuchtsanfällen zu schützen. Sie weiß, dass sich Charles Anfall wiederholen kann.

Hélène, selbst nicht drogensüchtig, hat den Lebensunterhalt für die kleine Familie verdient, während Charles versuchte, Gedichte und Prosatexte zu schreiben. Die beiden wollten materiell unabhängig von den Alten leben. Hélène hatte kein Problem damit, Alleinverdienerin zu sein.

Aufgrund der psychischen Belastungen, die elterliche Erwartungshaltungen nicht erfüllen zu können, begann Charles Drogen zu nehmen. Diese Drogen haben dem labilen Bourgeoisiespross den Verstand geraubt.

Man lernt das Elternhaus von Charles kennen. Sein Vater ist ein niederträchtiger, eiskalter, machtbessener, geldgeiler Fiesling, die Mutter ist eine ebenso herzlose, selbstbezogene höchst unangenehme Frau. Diese Eltern lehnen die herzensgebildete Hélène ab, weil sie nicht aus ihrer Gesellschaftschicht stammt und in ihren Augen nicht genügend gebildet ist. Ihre Feinheit und Tüchtigkeit sehen sie nicht.

Das ganze Sinnen der beiden besteht darin, die Liebesbeziehung zwischen ihrem Sohn und der Schwiegertochter zu zerstören und Hèlène das Sorgerecht für ihr Kind zu entziehen. Sie wollen diese starke Frau am Boden sehen.

Hélènes Schwiegervater ist jede Abgefeimtheit recht, um sie fertig zu machen. Der Alte schickt ihr Thomas (Jean-Pierre Cassel) auf den Hals, der dringend Geld braucht und sich zu miesesten Schandtaten korrumpieren lässt, um Hélènes Ruf zu ruinieren. Wird ihm dies gelingen?

Man fragt sich, wo der Hass auf die Schwiegertocher herrührt. Sind es nur die gesellschaftlichen Vorurteile? Was macht Menschen so bösartig und niederträchtig? Wieso ist es manchen Menschen nicht möglich, einfach mal hinzusehen wie das Gegenüber wirklich ist? Fragen dieser Art drängen sich bei Chabrols Film immer wieder auf. Genau dies hat er vermutlich bezweckt.

Die Bild- und Tonqualität sind bestens. Ich staune stets über die subtilen, intellektuellen Dialoge in Chabrols Filmen und seine meisterlich psychologischen und gesellschaftskritischen Betrachtungen.

Empfehlenswert.

Rezension:Ein gutes Jahr (DVD)

2004 habe ich das Buch zum vorliegenden Film rezensiert, den ich bereits im Dezember 2006 im Kino sah und nun als DVD besitze. Der Film schlägt Mayles Buch um Längen. Ich möchte kurz erklären weshalb das so ist und stelle deshalb den Rezensionstext zum Buch vor die heutige Rezension zum Film. Wer bei sommerlicher Hitze - selbst nach dem Genuss einer wohltemperierten Flasche Rose - nicht schlafen kann, ist gut beraten sich Peter Mayles neuen Besteller "Ein guter Jahrgang" als Lektüre vorzunehmen, um auf diese Weise an dessen Lavendel-Träumen Anteil haben zu können.

Max Skinner, ein junger Engländer erbt von seinem Onkel ein Weingut in der Provence. Um die notwendigen juristischen Erbformalitäten zu erledigen, reist Max nach Frankreich. Dort erwarten ihn schöne Frauen, guter Wein, vorzügliche Speisen und eine Menge Turbulenzen... Der Autor bringt dem Leser in diesem Buch in erster Linie südfranzösische Lebensart nahe. Er zeichnet das Bild pittoresker, kleiner Orte und beschreibt farbenfroh, womit sich deren Bewohner dort beschäftigen. Außerdem nutzt Mayle die Gelegenheit den Leser durch ein kurzweiliges Weinseminar bei Laune zu halten. Über Bodenbeschaffenheit, Reduktion, Ernte und Verarbeitung der Trauben im Keller, wie auch über den notwendigen Reifeprozess erfährt man ebenso Interessantes, wie über teilweise abenteuerliche Vermarktungsmethoden und die Preisgestaltung des Rebensaftes.
Als Weinkenner übt der Autor Kritik an den so genannten "Garagenweinen", in welchen er in erster Linie Prestigeobjekte für Neureiche wittert. Auch ist er skeptisch gegenüber der Verbalakrobatik, die selbsternannte Connaisseure bei Degustationen in jüngster Zeit an den Tag legen. Wertet man die Fülle von Klischees und übertrieben blumig ausgefallenen Wortschöpfungen als verzeihlichen Erzähl-Überschwang eines überaus frankophilen Autoren, so kann man im Ergebnis festhalten, einen federleichten, gleichwohl amüsanten Roman gelesen zu haben, der einen - mit sehr viel Raffinesse - dazu verführt, die eigenen Lavendel-Träume so schnell als möglich in die Tat umzusetzen...!

Der Reiz des Films besteht in der Visualisierung von ungebremster Lebensfreude. Das lässt sich textlich nur bedingt darstellen. Selbst der frankophile Mayle schafft dies bei allem Erzählüberschwang nur zum Teil und hinterläßt dabei den Eindruck des Überzeichnens, weil man seiner Euphorie nicht völlig glauben mag. Das ist allerdings ein großer Fehler. Er hat ja so Recht!

Die Franzosen und Französinnen im Film sind alle zum Verlieben charmant. Kein Wunder also, dass sich der coole Banker Mac Skinner (Russel Crowe) in eine bildschöne Provencalin (Marion Cotillard) unsterblich verliebt und sein Leben völlig verändert.... Die vielen pittroseken Bilder von der Provence versetzen den Zuschauer in einen Rausch der Sinne. Marc Streitfelds Filmmusik mit Anklängen an die Musik der 30er Jahre tut das Übrige. Im Grunde wird die hübsche Filmhandlung völlig nebensächlich. Man taucht in eine hinreissende Bilderflut ein und lässt sich wegtragen in eine der schönsten Gegenden Europas. Man riecht die Speisen, die im Film aufgetischt werden, nimmt die Kräuter der Provence und das feine Knoblaucharoma wahr und glaubt einen guten Wein auf der Zunge zu haben: einen Bandol, einen einfachen Cote de Provence oder etwas Drittes. Man spürt die Sonne und sieht die herrliche Landschaft. Das macht glücklich. Ich versichere es Ihnen!